Macht die Politik den Zoo kaputt?

Es sieht ein bisschen danach aus. Wenn Haltungsrichtlinien erarbeitet werden können, die die Haltung bestimmter Tierarten unmöglich machen würden, dann geht etwas schief.
Aber die Politik ist hier nur willfähriger Handlanger, weil sich der Enthusiasmus derer, die gegen Tierhaltung in Menschenobhut sind, seit einiger Zeit als größer erweist, als der von denen, die dafür sind. Wenn sich am Ende die lauteren durchgesetzt haben, werde alle verlieren - wirklich alle!
Diejenigen, die glauben, man müsse die Menschen weitgehend aus Naturgebieten raushalten, weil sie eh nur alles kaputt machen, in Mesalliance mit denen, die wollen, dass die Tiere aus dem direktem Lebensumfeld der Menschen verschwinden, die beiden werden eines Tages erkennen müssen, dass diesen neuen, von Ihnen geschaffenen Menschen, die Landschaften und die Tiere, die ihnen selbst angeblich so sehr am Herzen1 liegen, völlig egal geworden sind.
Dann hat sich ihr (oder Ihr) eigenes Engagement gegen sie (oder Sie) gerichtet.
Dem Menschen, dem sein Mitgeschöpf und sein eigener natürlicher Lebensraum egal ist, weil er beides nie persönlich kennen gelernt hat, dem ist beides dann so derartig egal, dass diejenigen, die jetzt glauben, für diese Kreaturen und Naturräume zu kämpfen, Rotz und Wasser heulen werden, weil sich der Mensch als solcher dann einen Scheißdreck für die Befindlichkeiten von Tieren und natürlichen Gefilden interessieren wird.

Auf der anderen Seite kümmern sich diejenigen, die sich gerne mit Tieren umgeben, oft derartig um sich selbst, dass übergeordnete Ziele schnell mal lockerflockig verschütt gehen.
Wenn der Zoo Hoyerswerda für seine Bären eine bessere Unterbringung schaffen wollte, war das, obwohl das Gesamtkonzept der Neuausrichtung zum Davonlaufen war, eine ziemlich gute Idee. Nun gibt es die hoyerswerdaschen Bären gar nicht mehr. Einer ist verstorben und der zweite lebt in einem anderen Zoo.
Wenn man in dieser Situation daran festhält, in Hoyerswerda weiterhin Braunbären halten zu wollen, dann hat man die Rolle, die Zoologische Gärten im Jahre 2013 spielen sollten, nicht begriffen!
Duisburg hat Braunbären durch Brillenbären ersetzt, das ist konsequent.
Dass der Duisburger Zoo wegen seines Delphinariums angefeindet wird, ist anthropozentrischer Flipper-Blödsinn, dass er finanzielle Probleme hat, liegt in seiner kommunalen Trägerschaft begründet, die nicht mehr so genau weiß, ob und warum sie Zoos tragen will. Das muss man denen erklären.
Wenn jetzt in der Zeitung steht, der Kölner Zoodirektor fordert mehr Rückendeckung von den Kommunen, dann hat er zwar recht, aber dann müssen in Nürnberg auch keine Erdmännchen einziehen, weil es eben nicht darum gehen darf, wie man möglichst viele zahlende Besucher zieht, sondern darum, möglichst vielen Besucher die natürlichen Zusammenhänge auf dem Planeten Erde zu erklären und möglichst viele Tierarten vor menschengemachtem Artentod zu bewahren!
Wenn diese Rolle der zoologischen Gärten nicht zu ihrer Existenzrechtfertigung wird, dann können wir sie uns nämlich wirklich sparen. Davon, dass ich (ausgerechnet ich) ein Erdmännchen im Zoo suuuuper süüüüüß finde, ist niemandem geholfen, das reicht für eine Sensibilisierung gegenüber komplexen ökologischen Zusammenhängen und artenschützerischen Herausforderungen einfach nicht aus!
Die Frage ist nicht, wie viele Besucher ein Zoo hat, die Frage ist, wie viele Besucher des Zoos haben nach ihrem Besuch kapiert, wie Natur funktioniert - und dahingehend war Nürnberg mit dem Verfüttern seiner eigenen Huftiere an Raubtiere ja schon recht fortschrittlich.
Die Zoos müssen weder Massenwünsche erfüllen, noch Minderheiteninteressen abdecken, sie müssen der Natur gerecht werden und die Natur, die schert sich einen feuchten Kehricht um emotional verschwurbelte Rhetorik, sie braucht als Korrektiv zur vagabundierenden, brandschatzenden, modernen Überwanderheuschrecke Mensch, Anwälte ihrer eigenen Interessen und solche können Zoologische Gärten sein. Also lasst sie es machen, liebe Politiker und Entscheidungsträger außerhalb und innerhalb von Zoos, sonst versündigen Sie sich selbst an unserer und Ihrer eigenen Zukunft!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.04.2013



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1Sie wissen ja, wie das mit dem Herzen, als Zugang zum Tier ist ... Immer erstmal an Host Stern denken und anschließend daran, wie es ist, von Stinktieren umgeben zu sein.

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Quellen: