Dänisch für Fortgeschrittene

Ein reißendes Ratschen, raues Lecken, knackendes Knirschen.
Ein Tiger hält den Kopf eines Pferdes zwischen den Pranken. Er hat einen gesunden Appetit.
Die leeren Augen des Huftiers sind gen Boden gerichtet, die Unterlippe des, mit samtenen, braunen Fell besetzten Schädels schlackert, wann immer der Tiger ein Stück des Halsansatzes abreißt.
Eines der mächtigsten Raubtiere der Erde widmet sich seiner natürlichen Nahrung.
Menschen schauen ihm dabei zu - niemandem schaudert es.
Ein Aufenthalt in Dänemark kann immer wieder eine Offenbarung sein.

Der Tiger ist ein Sumatratiger. Eine der Tierarten, die den Zoo derzeit dringend benötigt, wenn wir sie nicht für immer verlieren wollen und wir sind in Aalborg/Dänemark. Die Sumatratiger und ihre Nachbarn, die asiatischen Löwen, für die ausrottungsmäßig das Gleiche gilt, haben im Jahre 2012 neue Anlagen erhalten. Diese sind derzeitiger Standard, also für Aalborg ein guter Wurf, wie die Statue am Zooeingang (Det gode Kup) verspricht, aber kein großer, denn man hat nicht viel Platz - auf der anderen Seite grenzt die Eisbärenanlage aus dem Jahre 1999 an. Auf die ist man in Aalborg noch heute stolz, der Standard, der durch diese Anlage in den ausklingenden 1990er Jahren zweifellos gesetzt wurde, ist heute allerdings von anderen Zoos schon weit überflügelt worden.

Überflügelt wird wiederum von einem dänischen Zoo jede Anlage für Riesenotter, die ich bislang gesehen habe. Givskud hat in diesem Sommer sein auch schon hochinteressantes, eigens für diese grandiosen Räuber der Flüsse gebautes Haus, mit einem Außengehege gekrönt, das dem Vornamen dieser Tiere durchaus gerecht wird. Viel Landteil, auch ohne Besuchereinsicht, unterschiedlichste Substrate und ausreichend Wasser. Im Besucherbereich: Keine Schnörkel. Ein bisschen Holz macht die Sache hyggelig, wie der Däne zu sagen pflegt, ansonsten gilt der Fokus den Ottern.
Drinnen haben sie zwei Wohnzimmer: Eins rechts, eins links vom Besucherbereich, verbunden durch einen Tunnel. Eine solche Kombination zweier kleinerer Lebensräume zu einem gemeinsamen Großen ist für Tiere, die, wenn sie wach sind, niemals stillstehen, immer eine gute Wahl. Das eine Innengehege stellt das Tauchbecken (mit Unterwassereinsicht für Besucher) zur Verfügung, das andere, an die die rückwärtigen Boxen angrenzen, hat nur ein kleines Wasserbecken aber viel Rindenmulch, an dem sich die Otter abtrocknen können, bevor sie in ihren Schlafgemächern verschwinden, in denen sie dann aneinandergekuschelt für die Besucher über Monitor sichtbar gemacht werden.
Diese Riesenotteranlage ist unglaublich gut!
Das einzige, was mich kirre macht, ist der Hochstand aus Baumstämmen, von dem aus die Besucher von oben in beide Innengehege schauen können. Das ist ein bisschen viel der Einblickmöglichkeiten für eine Tierart, die gerne auch mal das Sensibelchen mimt.

Givskud Zoo ist ein Safaripark, aber einer, der der Versuchung widerstanden hat, sich mit Halligalli zu umgeben. Givskud Zoo ist nichts anderes, als ein Zoo, in den man sein Auto mit reinnehmen kann. Auch hier liegt bei den Löwen gerne mal ein vollständiges, totes Tier1 herum.
Liebe Tierromantiker, machen Sie sich auf den Weg nach Dänemark, ein sächsischer Wolf kann nicht irren!2

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.10.2013



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1Siehe auch: Die Rettung des Baiji, Seite 81-84
2http://www.wolfsregion-lausitz.de/sonstiges/296-toter-wolf-in-daenemark-stammt-aus-sachsen-

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