Erlebnisse eiskalt serviert

Jüngst stolperte ich.
Ausrutschen ist derzeit in meiner eigentlich sehr schönen, zur Zeit aber fest in einem split- und schlackegrau verkrusteten Eispanzer steckenden Heimatstadt an der Tagesordnung, das Stolpern aber begab sich im rauschend medialen Datenwald.
Es waren zwei Stellenausschreibungen, die mich straucheln ließen.

Die eine stammt aus Magdeburg.
Darin heißt es: „Der Zoologische Garten Magdeburg befindet sich in der Entwicklung zu einem innovativen Erlebniszoo.“
Begriffsstutzigkeit erfasste mich.
Erleben kann man ja in jedem Zoo etwas. In einem ganz miesen z.B. sein blaues Wunder. Oft ist die Begegnung mit der eigenen Spezies im Zoo höchst erlebnisträchtig und in vielen Zoos gibt es tatsächlich die Möglichkeit ganz tolle Tierbegegnungen zu erleben.
Stellen wir uns also mal, passend zur bereits herrschenden Begriffsstutzigkeit, ganz doof und fragen uns: „Wat iss `nen Erlebniszoo?
Der in Hannover, ist der vielleicht einer? Er nennt sich jedenfalls seit 1996 (damals noch als Projekt) Erlebnis-Zoo (mit Bindestrich!). Ich kenne etliche zoologische Einrichtungen in denen ich nicht weniger Erlebnisse pro m² hatte, als in Hannover. Doch seien wir nicht kleinlich, es ist ein Eigenname und Kinder können sich nun mal ihren Namen nicht selbst aussuchen.
Ein Erlebniszoo zu sein, war eigentlich schon vorher nicht besonders, ist aber seit 14 Jahren noch weniger, innovativ!
Möglicherweise wird ja die damals in Niedersachsen als Innovation betrachtete Entwicklung jetzt in Sachsen-Anhalt weiter innoviert. Doch wohin? Sachsen-Anhalt ist laut eigenem Bekunden das „Land der Frühaufsteher“ und so früh am Morgen, da ist doch..., da hat man doch..., da kann man doch..., ich weiß nicht, ich schlafe um die Zeit immer noch.
Ich bin gespannt!

Zweiter Stolperstein war, wie ich feststellen durfte, kein Stein, sondern passte hervorragend in die oben beschriebenen Witterungsverhältnisse.
Das Sea Life Konstanz sucht eine(n) „Zoo-Tierpfleger(in)1 für Pinguine und Aquaristik.“ „Huch“ rief ich noch im Fallen aus, „Pinguine???“ und schlug dann hart auf: Auf antarktischem Eis!
Mir den Kopf reibend versuchte ich eine Erinnerung heraufzubeschwören, eine sehr verblasste. Irgendwo in der Nähe meines Stammhirns saß ein Wort fest, es sträubte sich, es wollte sich nicht packen lassen, es duckte sich weg und floh immer wieder in noch tiefere Gefilde meines Gedächtnisses. Doch letztlich bekam ich es im präfrontalen Cortex zu fassen. Es war das Wort: Konzept!
Nun brach ein ganze Lawine an daran gebundenen Erinnerungen über mich herein. Waren die Sea Life Centres nicht angetreten, die größten Moralisten unter den Schauaquarien zu sein, hatten sie sich nicht ein enges Selbstbeschränkungskorsett angelegt, wollten sie nicht Geschichten erzählen? Auf der Homepage des Sea Life Konstanz klingt es zunächst noch danach: „Auf einem Rundgang folgen Sie dem Lauf des Rheins, vom Gletscher in den Alpen, über Rhein und Bodensee bis hin zum mittelalterlichen Hafen Rotterdams, wo der Rhein schließlich in die Nordsee mündet.“ Danach fängt es dann aber schon an zu quietschen: Man landet unmittelbar anschließend im Mittelmeer!
Kein Drama, künftig ist es von dort nur noch ein Eselspinguinsprung bis in die Antarktis.
Man kann nicht behaupten, dass das keine Geschichte wäre.
Otter sind schon länger los - in Timmendorf.
Das Unternehmen heißt Merlin, es wird noch einiges aus dem Hut zaubern!

Einen zauberhaften Rest-Winter2 wünscht Ihnen
Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 12.02.2010



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1+2Mit Bindestrich!

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