Abschussliste

Ein Machwerk mit vier fetten Buchstaben auf rotem Grund1 und viel schwarz und rot in den erschlagenden Zeilen titelte jüngst über den größten botanischen Baumgarten Deutschlands (das ehemalige Arboretum Grund2), welcher jetzt den Namen WeltWald3 Harz trägt: „Totempfähle zieren Baum-Zoo im Harz.“
Dämlicher geht es ja wohl nicht mehr! BAUM-ZOO!?
Dass einige Mitarbeiter der Axel Springer AG direkt auf Sommerfesten der Jungen Union gecastet werden, ist schon klar, dass aber deren biologische Bildung derartig desaströs ist, erschüttert mich dann doch. Fauna und Flora, Botanik und Zoologie, das wird man doch auseinanderhalten können, auch wenn man gerne Schlips und Kragen trägt, einen sauber ausrasierten Nacken hat und sich Poster von Franz Josef Strauß übers Bett hängt!
Selbiges Presseerzeugnis schrieb auch: „Zoo will Leibniz-Löwen abschieben“
Gemeint ist der Zoo Leipzig, der gerne ein einsames Löwenmännchen zu drei Weibchen in einen dänischen Zoo schicken möchte. Auch wenn dieser Löwe das Patentier eines Keksfabrikanten ist, kann das doch nur im Sinne dieses Löwen sein, der nur sterilisiert4 ist, also künftig noch eine Menge Spaß haben kann. Abschiebung fühlt sich, glaube ich, mangels eigener Erfahrung, anders an, ergo geht mir diese Formulierung gewaltig auf den Keks!
Kommen wir in diesem Zusammenhang zu einer weiteren Schlagzeile und damit ans Eingemachte: „Serengeti-Park in der Kritik - Tierpark-Löwen an Jagdfarm in Afrika verkauft!“ Das stimmt - nun auch wieder nur zu Hälfte! Noch platter schafft es allerdings der Tagesspiegel: „Aus dem Zoo vor die Flinte“. Beim Tagespiegel handelt es sich immerhin um eine Zeitung, die ich selbst abboniert habe, die Pflichtlektüre der Börse ist und die den Grundsatz „rerum cognoscere causas“ im Logo trägt, was frei übersetzt soviel heißen mag, wie:„Den Dingen auf den Grund gehen“. Beide, das unsägliche Boulevardmedium und die vermeintlich gründlich, sachlich, kritische Tageszeitung sind unreflektierte Opfer dieser merkwürdigen Organisation geworden, die Mirja Boes ernsthaft zumuten möchte, Eisbären durch die Gegend zu tragen, obwohl die doch selbst weiß, das sie es nicht kann!
Alles, was bezüglich dieser Löwen gelaufen ist, ist rechtlich vermutlich unanfechtbar! Aber, und hier muss ich mich leider erneut wiederholen: Seriöse Zoologische Gärten sollten sehr genau darauf achten, wohin sie ihre Abgabetiere geben. Genau das tat der Zoo Leipzig, als er eine Unterkunft für seinen „Leibniz-Löwen“ suchte! Wer diese Sorgfalt nicht an den Tag legt, ist ein Schurke, deshalb aber gleich alle zoologischen Einrichtungen in Sippenhaft zu nehmen, sollte unseriös sein! Mögen Zoologische Gärten dafür sorgen, dass die Unterscheidung künftig noch deutlicher wird!

Viele Grüße
Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.05.2010



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1+2Der eine Grund hat mit dem anderen nichts zu tun.
3Wer da jetzt an „Weltvogelpark“ denken muss, ist selbst schuld!
4Bei einer Sterilisation werden Eileiter oder Samenstränge durchtrennt, die Zeugungsfähigkeit erlischt, der Sexualtrieb bleibt aber erhalten.