Wild in Zoo und Park

„HEUTE MACHEN WIR UNS WILD.“ bedeutet in vielen deutschen Haushalten noch lange nicht, dass gleich wirklich aufregende Sachen abgehen werden, meist verweist eine solche Aussage nur auf bevorstehenden Verzehr von Rehfleisch.

Wenn ein Zoo verkündet, „Die Jungen Wilden sind da!“, dann ist das schon aufregend. Heidelberg hat mit diesen Worten die Eröffnung des neuen Elefantenhauses beworben, zu dem es heißt, es sei richtungsweisend.
In der Pressemitteilung kann man vieles lesen, das längst nicht Standard ist, in europäischen Zoos, anderseits aber auch nicht brandneu. Schauen wir nach Kopenhagen, Leipzig, Hamburg und Köln, so sehen wir Elefantenanlagen, die fortschrittlich sind. Heidelberg scheint von nun an dazuzugehören. (Dass diese Anlagen oft andere Tierarten unter sich begraben haben, thematisieren wir hier und heute lieber nicht weiter.) Sand als Untergrund, größere Laufflächen auch im Innenbereich, frei zugängliche Badegelegenheiten, Beschäftigungselemente, geschützter Kontakt für die Pfleger, all das ist gut und wichtig. Das wirklich Besondere in Heidelberg ist aber die Besetzung: Es sind alles Jungs. Das ist eine tolle Sache. Das gibt es außerhalb Deutschlands zwar auch schon, ist deshalb kein echtes Novum, aber im Hinblick auf die demographische Entwicklung der in Menschenobhut lebenden Asiatischen Elefanten eine konsequente Entscheidung, die Lob und Anerkennung verdient.
Dass Asiatische Elefanten eigentlich Waldbewohner sind, bleibt aus meiner Sicht ein bislang ungelöstes Problem der Zoos. Die Anlage in Burger`s Zoo (Arnhem/NL) mit ihren unzähligen Elektrodrähten rund um abgezählte Bäume kann die Lösung nicht sein.
Ein am 13.07.2010 gesendeter WDR-Beitrag mit dem Titel „Die Hippos vom Rhein“ zeigte uns wenig Hippos und entgegen meiner Hoffnung noch weniger Hippodom, verkündete uns aber, dass die Elefanten im Kölner Elefantenpark quasi durch die Steppe ziehen können1. Wenn sie es denn wollten, könnten sie das in weiten Teilen Asiens mittlerweile auch!

Damit sind wir beim Thema Wald.
Im Wildpark Lüneburger Heide ist der „Tundra-Erlebniswald“ eröffnet worden - er beherbergt Sibirische Tiger.
Tiger im WILDPARK???
Im Wildpark Lüneburger Heide haut das durchaus hin, man hat dort schon immer, abweichend vom klassischen Wildparkkonzept, auch andere, als nur einheimische Tiere gehalten. Ich zitiere aus einem Wildparkführer aus dem Jahr 2000: „Thematisch werden vor allem Wildtiere unserer Klimazone beheimatet, die bei uns den ihnen gemäßen Lebensraum finden. Tiergeographisch sind das vor allem nordische Tiere circumpolar, also aus Nordeuropa, dem nördlichen Asien und Nordamerika.“
Das war ein klares Konzept und der Sibirische Tiger passt dazu, doch was bitte, ist ein „Tundra-Erlebniswald“? Tundra ist per se Landschaft ohne Bäume: So sieht das Gehege auf den ersten Blick auch aus! Ich verbinde Tiger eher mit Taiga, da würde der Erlebniswald dann passen, die derzeitige Gehegestruktur aber nicht!? Es gibt natürlich auch noch die Waldtundra, die löst den bestehenden Konflikt aber auch nicht!
Egal - wir haben eine große Tigeranlage und ein kleines Absperrgehege, das passt mir schon mal gar nicht und dort, wo früher Murmeltiere lebten, leben schon seit geraumer Zeit Präriehunde, es gibt außerdem Nasenbären und Wasserschweine im Wildpark. Das ist Blödsinn! Da hat man ein Konzept und unglaublich viele Möglichkeiten dieses attraktiv umzusetzen und dann nimmt man, was man kriegen2 kann, und von dem man denkt, dass es der Besucher unbedingt sehen will, das macht mich wild!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.07.2010



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1Vielleicht sagte der Sprecher auch Savanne, ich habe den Beitrag nicht aufgezeichnet, ich generiere diese Zeilen aus meinem, von großstädtischer Backofenhitze malträtierten Hirn, was möglicherweise auch die Qualität des restlichen Textes beeinflusst.
2Natürlich ist „bekommen“ das bessere Wort, hier passt es aber gerade nicht so schön.

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