Huch

Eine Eisbärin, deren Münchener Hotel umgebaut wird, weil es ein paar Sterne dazubekommen soll, residierte für einige, absehbare Zeit in Berlin und leistete hier einem nicht nur stadtbekannten, handaufgezogenen Bären Gesellschaft. Das hat funktioniert. Der Flaschenbär war zwar ein Schisser aber die große Tragödie blieb aus. Sie bleibt auch jetzt aus, da die Eisbärin wieder von dannen zieht, denn Monogamie und Bär schließen einander aus.
Jetzt wurden bei Abreise der Bärin Stimmen laut, man sei als Besucher überrumpelt worden, man hätte sich so gerne verabschiedet. Ja hat das werte Publikum sie denn noch alle??? Das ist doch der Bärin derartig von egal, ob sich irgendein Homo sapiens von ihr verabschiedet! Wenn überhaupt, dann sollte Mensch sich darüber echauffieren, dass man der Bärin keine Zeit gelassen hat, ein ordentliches Kistentraining zu absolvieren, damit sie in vollem Bewusstsein in die Transportkiste geht, anstatt narkotisch flachgelegt hingetragen werden zu müssen. Aber auch das ist gut gegangen.
Das Leben des zurückbleibenden, scheinbar nicht allzu zurückgebliebenen Berliner Eisbären könnte fortan wieder eintönig werden - solches hat ein gutes Hotelmanagement zu verhindern. Der Bär soll nun anstatt eines Appartements mit einer Gesellschaftsdame eine Suite mit drei Gespielinnen erhalten. Das klingt doch, wenn Mann das so hört, nicht schlecht. Das eine davon seine Mutter ist, wird keinerlei ödipale Folgen haben. Problematisch ist allerdings, dass diese Suite auch schon lange nicht mehr State of the Art ist. Der Eisbär hat Geld eingespielt, man hätte es für eine Verbesserung der Eisbärenunterbringung einsetzen können. Das ist ausgeblieben. Darüber kann man sich mokieren, aber doch wiederum nicht darüber, dass der Bär künftig weiter weg sein wird vom Volke, denn auch das soll sein Schade nicht sein. Volksnähe ist nicht zwingend Aufgabe eines Eisbären.

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 01.08.2010