Alle Tiere sind gleich

Tümmler im Zoo schaden niemandem, schon gar nicht sich selbst, wenn man es richtig macht.
Aus einschlägigen Kreisen heißt es oft, die armen Meeressäuger würden für kommerzielle Zwecke missbraucht. Wenn dem so wäre, hätte mit Sicherheit längst einer von den vielen intelligenten Betriebswirten, die jährlich die Unis in Massen verlassen, frühzeitig vorgeschlagen, einen klitzekleinen Teil des Geldes, das die Delfinarien in rauen Mengen eingespielt haben, für die ständige Verbesserung des Angebotes einzusetzen und schon hätte man die Delfinkuh auf ewig weiter melken können.
Das Gegenteil ist der Fall: In Deutschland hat man dort, wo es ums Geld verdienen ging, aufgehört Delfine zu halten.
Dort wo es nicht um Kommerz geht, in den wenigen kommunalen Zoos, die Delfine halten, hat man allerdings viel zu spät erkannt, dass nur mit Innovation eine Fortsetzung der Haltung möglich sein wird. Einzig Duisburg hat rechtzeitig versucht, entgegen zu steuern. Die Delfinlagune in Nürnberg kommt zu spät.
Aus Münster heißt es nun, man werde die Delfinhaltung auslaufen lassen, damit aber nicht genug, man müsse sich auch von den Elefanten verabschieden, weil der EEP-Koordinator die Münsteraner Elefantenhaltung doof findet.
Zwei graue Tierarten weniger im Zoo? „Skandal!“, möchte man ausrufen und in Windeseile als Ersatz andere graue Tiere herbeischaffen - Koalas vielleicht.
Doch halt!
Der Münsteraner Zoo, der sich in der Vergangenheit recht findig gezeigt hat, Koalitionen zu schmieden und Kooperationen einzugehen, ausgerechnet der sollte nicht in der Lage sein, Unterstützung und Finanzen zur Fortführung beider Haltungen zu finden!?
Ich bin mir sicher, in Bezug auf die Tiere mit dem Rüssel wird das wieder klappen. Die Schlagzeile des Druckerzeugnisses, das gerne Meinungen bildet, weist den Weg: „Nashorn, Elefanten, Delfine - alle weg! Tierischer Exodus im Allwetterzoo Münster“.
Ebun, das handaufgezogene Nashorn muss gehen - das nächste kommt bestimmt. Für Delfine ist auf lange Sicht der Zug möglicherweise in ganz Deutschland abgefahren. Ein Teil der Bevölkerung, der bezeichnenderweise in der Regel kein Teil des millionenfachen Zoopublikums ist, ist in Bezug auf die Flaschennasen derartig emotionalisiert, dass sachliche Informationen keine Rolle mehr spielen.
Das Bild vom „Übertier“ Delfin wird ohne Delfinarien noch weiter zementiert werden. Das ist unerträglich.

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.09.2010



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