Staffelstäbe

Da legt man eine tolle Bilanz vor. Alles sieht schick aus und dann erhält man einen Tritt in den Allerwertesten. Schön ist das nicht. Wer will schon freiwillig, in Zeiten, in denen den nachfolgenden Generationen die Rente mit 67 droht, unnötig früh in den Ruhestand versetzt werden, das könnte doch Neid schüren, erst recht, wenn man so fit ist, wie ein Turnschuh und noch viel vor hat.
Altersgrenzen sind Blödsinn. Ein 60-jähriger Blaukittel ist oft ganz anders belastet, als ein ebenso alter Weißkittel und individuelle genetisch determinierte Verfallserscheinungen lassen sich schon gar nicht in ein Schema pressen. Meine eigene, mittlerweile vierzigjährige Wirbelsäule tut manchmal so, als stünde sie kurz davor, eigenhändig die Rente einreichen zu wollen.
Unabhängig davon können viele alte Männer nicht loslassen und viele Unternehmensleiter erweisen sich als unfähig, rechtzeitig einen in jeder Hinsicht kompetenten Nachfolger aufzubauen. Kommunale Zoos lassen das allerdings oft auch gar nicht erst zu. Die Stelle muss ausgeschrieben werden und die Politik möchte munter mitmischen beim Kandidatenpoker.
Da rächt sich nun die Tatsache, dass im Hannoveraner Zoo noch immer soviel öffentliches Geld steckt. Um dort hinzukommen, wo man heute steht, nämlich bei einer eigenständigen Deckung der laufenden Betriebskosten, ist viel öffentliches Geld verbaut worden und noch heute „bedarf es aufgrund der hohen Investitionskosten - wie in allen Zoos in Deutschland - eines Zuschusses.“1 Das sind jährlich 3 Millionen Euro. Die kommen zwar nicht mehr von der Stadt, sondern von der Region - Steuergelder sind es trotzdem.
Für einen Zoo, der regelmäßig als leuchtendes Vorbild in Wirtschaftsmagazinen auftauchte, ist das nicht unbedingt wenig.
Die Frage, die sich aufdrängt, ist: Wäre der jetzige Stand nicht auch anders erreichbar gewesen? Drolligerweise wird diese Frage jetzt plötzlich (wenn auch nur von einer Person) für die Zukunft gestellt. In der Vergangenheit hat sie offenkundig keine große Rolle gespielt.
Angesichts der geflossenen und weiterhin fließenden öffentlichen Gelder halte ich eines für ziemlich offensichtlich: Einen Zoo in Hannover könnte es heute auch dann noch geben, wenn es den Erlebnis-Zoo nicht gäbe!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 01.02.2011



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1Zitat aus einer Pressmitteilung des Erlebnis-Zoo Hannover:
http://www.zoo-hannover.de/unternehmen-zoo/aktuellespresse/aktuelle-nachricht/news/rek...

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