Hätten Sie mal eben Platz für ein Elefanten?

Man kommt nicht herum, um Leipzig, in Zeiten, wie diesen.
Ein Zootier, das quasi noch gar keines ist, weil kein normaler Zoobesucher es bislang zu Gesicht bekommen hat, erobert die Medien. Dass das Viech dabei von den lieben Schreiberlingen auch schon mal, weil es im Trivialnamen der zoologischen Familie den Zunamen „-ratte“ hinterm Beutel trägt, zum Nagetier degradiert wird oder von einem wichtigen Zuchtprogramm für diese Tierart gefaselt wird, das ein Opportunist mit Ausbreitungstendenzen, der im Herkunftsland durchaus auch als Heimtier gehalten wird, nun wirklich nicht braucht, das alles sagt über den Leipziger Zoo so gut wie nichts, über die Medienlandschaft aber sehr viel aus.
Elefant, Tiger & Co macht vermutlich nicht alle Protagonisten, von jenen die sich hauptsächlich auf zwei Beinen bewegen, so richtig glücklich. Dem Opossum ist der Rummel schnurz. Dem Zoo hat die Serie schon unglaublich viel gebracht und jetzt im Werden von Gondwanaland ist sie ein weiteres Mal in der Lage, einen Spannungsbogen zu erzeugen, der für das Maß des künftigen Publikumszuspruches durchaus mitbestimmend sein dürfte.
Obwohl ich selbst mich auf diesen Seiten hier schon positiv über neue Tierarten für Leipzig geäußert habe, gibt es für mich einige offene Fragen, die künftige Tierhaltung in dieser Halle betreffend, die sich erst klären werden, wenn sie dann von Tieren bevölkert sein wird. Ich hoffe, meine Skepsis, die sich auf solche Dinge, wie Gehegegrößen, Kleinklimaadaption und damit eventuell einhergehende mögliche Immunverweichlichung von Tieren, didaktische Aufarbeitung des Gondwana-Themas, Besucherkapazitäten, Nacheröffnungsentwicklung des Restzoos und verschiedene Formen von neudeutschen Hypes bezieht, wird problemlos vom lauen Luftzug der künstlichen Belüftungsbäume fortgepustet werden.
Doch darum geht es hier und jetzt gar nicht.
Die Elefantenanlage des Leipziger Zoos, die den BDZ-Biber 2009 trotz des übermäßig asientümelnden Firlefanzes drumherum, mit Recht gewonnen hat, darf gerade erneut beweisen, dass sie vorausschauend gebaut wurde. Es gibt Zoos, die sind nicht in der Lage, Bullen zu halten, obwohl sie offiziell am EEP teilnehmen. Leipzig kann einfach mal einen Hotelplatz für einen männlichen Münchener Sanierungsflüchtling bereitstellen.
Das ist es, was Tierhaltung im Zoo leisten muss, sie muss auf Eventualitäten eingestellt sein.

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.01.2011



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