Philosophische Wege

Das wollte erst einmal verdaut sein: Erst Fremdschämen auf der „Zookunft“ und dann Besuch des Opel-Zoos.
Jetzt bin ich so weit.
Das „Georg von Opel Freigehege für Tierforschung“, deren Mitarbeiter auch VW fahren dürfen, weil General Motors offensichtlich zu doof ist, den Laden zu sponsern, ist etwas Besonderes. Es ist ein privater Zoo, durch den ein öffentlicher Weg führt. Da ist Spaß schon mal vorprogrammiert.
Des Weiteren war man in der Vergangenheit höchst innovativ. Als andernorts Elefanten noch auf Betonplattformen herumstanden, durften sie in Kronberg schon durch ein großzügig dimensioniertes Freigehege streifen, das auch noch Topographie besaß und die Flusspferde, die bekamen ein Stück Rasen zum grasen.
Es gäbe heute auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Mesopotamischen Damhirsche mehr auf dieser, unserer schönen Erde, wenn Georg von Opel nicht welche nach Kronberg gebracht und dort ordentlich vermehrt hätte.
Das ist es, was Zoos tun sollen: Innovative Tierhaltung und Artenschutz aufs Trefflichste miteinander verbinden. Sie reden ja alle davon, die Zoos, dass sie genau das tun. Sie tun es aber nicht alle. Und manche tun nur so als ob. Es gibt diesbezüglich unglaublich viel Augenwischerei und ausgewachsenen Selbstbeschiss.
In Kronberg haben wir es jedenfalls mit einem interessanten Zoo zu tun. Interessant ist zum Beispiel, dass aus diesem Zoo heutzutage keine Innovation mehr kommt.
Es gab in den 1990ern in Kronberg einen Investitionsstau, wie in vielen deutschen Zoos. Dieser befindet sich mittlerweile in Auflösung (Der Stau nicht der Zoo.). Das aber, was seitdem an Gehegen entstanden ist, wird der Philosophie des „Freigeheges für Tierforschung“, die in einer sogenannten „ZooVision“ für die Jetztzeit adaptiert und manifestiert wurde, nur in Teilen gerecht. Auf der einen Seite - und das kann man in Kronberg, wegen des passender Weise auch noch Philosophenweg heißenden öffentlichen Weges, geradezu wörtlich nehmen - wurde viel investiert, um „Tiergruppen in naturnahen, weitläufigen Gehegen, möglichst ohne sichtbare Abgrenzungen zwischen Mensch und Tier zu pflegen“. Das hat durchaus geklappt. Hier gilt übrigens auch wieder: Gib Rasbach Naturstein an die Hand, dann stört kein Kunstfels an der Wand!
Die Anlage für Braune Hyänen ist immer noch mies, doch insgesamt profitiert der Zoo von den afrikanisch orientierten Parkteilen, auch wenn die obligatorische Savanne natürlich alles andere, als eine originelle Idee ist.
Das spielt aber keine Rolle. Tatsache ist: Das alte Giraffenhaus war: alt. Das neue ist: neu.
Was mich maßgeblich frustriert, sind die, neben den Großprojekten entstandenen Neuanlagen.
Das, was hier in den letzten Jahren jenseits von Afrika realisiert wurde, vermittelt mir, als Berliner, regelrecht Heimatgefühl: Überall grüne Zäune und Beton.
Ob Freilandterrarium, Nerzgehege oder Pandaanlage: Viel Material drum herum. Wenig Struktur innen drin. Insgesamt fehlt es den Gehegen des Opel-Zoos an dreidimensionaler Möblierung. Der Taunus ist voller Wald, da begreife ich nicht, warum Wildkatzen, Panda- und Waschbärenanlagen, sowie Vogelvolieren nur mit spillerigen Totholzstrünken ausgestattet sind, anstatt vor weitverzweigten Klettergerüsten aus frisch geschlagenen Baumstämmen nur so zu strotzen.
Ein weiteres Manko betrifft Altanlagen, die sich einfach mal freuen würden, einen Pinsel und einen Eimer Farbe zu Gesicht zu bekommen. So könnte mit wenig Aufwand ganz flott ein freundlicheres Gesamtbild erzielt werden.
Die neue „Freiflugvoliere“ die über den Hardtweiher gestülpt wurde, ermöglicht zwar einigen, der dort lebenden Vögeln ein besseres, weil ab sofort unbeschnittenes Leben, besitzt allerdings keinerlei Dramaturgie in Form von spannender Wegeführung oder überraschender Einblicke, bietet dafür aber beschissene Besucherplätze. Wobei gerade das natürlich schick ist: Kacke am Revers - Umweltbildung ist nicht schwer!
Fazit: Keine Frage, man hat es nicht leicht, als einer der wenigen Privatiers unter all den so üppig subventionierten Zoos, doch ... wenn ein Löffelchen voll Phantasie, jede bittere Realität versüßt, rutscht sie gleich noch mal so gut!!!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 07.03.2011




P.S.:
Welche Philosophie dahintersteckt, wenn in einer Tierpark-Cafeteria ehemalige NVA-Mitglieder zu lustiger DDR-Tümelei aufeinandertreffen dürfen, mag man sich gar nicht ausmalen, doch vielleicht ist hier ja nur jemand einem Irrtum aufgesessen und dachte, es handele sich um den gemeinnützigen Biodiversitätsverein: Natur voller Artenvielfalt e.V.