Immersion

Ich bin so aufgeregt.
In Duisburg wartet ab morgen eine neue Erlebniswelt auf mich.
Erlebniswelten sind ja derzeit total angesagt.
Heutzutage baut man nicht einfach Gehege. Wenn Elefanten mehr Platz bekommen, dann entsteht gleich ein Park, ein Elefantenpark, und Flusspferden baut man einen Sakralbau, den Hippodom.
Das ganze ist natürlich nur eine schlüssige Weiterentwicklung der -UMSE, die uns geraume Zeit begleitet haben, dazu gehörten: Polarium, Robbarium, Lori-Atrium, Danubium, Affrikaneum1, Reptilium, Ozeaneum. Wer im Jahre 2011 noch -UMSE baut (ein Darwineum vielleicht) ist möglicherweise nicht mehr ganz up to date!?
Richtig wackelig wird es aber erst, wenn ein Sponsor mit ins Boot springt.
Ich finde Sponsoren toll! Es gibt viel zu wenige davon in deutschen Zoos.
Ob ein Sponsor allerdings im Namen des von ihm mitfinanzierten Projektes auftauchen sollte, darf gerne sorgfältig geprüft werden.
Beim ELE-Tropenparadies lese ich ständig -FANTEN mit und bin dann so was von enttäuscht.
Mutig aber schlüssig ist das RWE-Delphinarium: Delphinarien haben nicht nur Freunde, Atomkraftwerksbetreiber auch nicht!
Jetzt kommt die Sparkassen-Erlebniswelt.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden hier zelebriert.
Hinter dickem Panzerglas sitzt ein ebensolcher, mit Schlips und Kragen angetaner Kassierer und beschnüffelt misstrauisch Sparbücher, die man ihm durch einen schmalen Schlitz in seinen drei Quadratmeter großen Käfig schieben kann. Als nächstes begegnet uns ein Investementbänker2 - der hat eine Stereotypie. Schnell eilen wir weiter und treffen auf einen Anlageberater. Obwohl er es selbst nie zum Millionär gebracht hat, mimt er den Experten. Ist das jetzt Mimikry oder Mimese?
Dann plötzlich schwirrt uns ein Kundenbetreuer entgegen, der eindeutig kein Zitronenfalter3 ist.
Ein herrlicher Anblick!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.04.2011



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1Doppelt lustig wegen enthaltenem Kontinent und Primat.
2Die Ä-Pünktchen sind Absicht.
3Sie wissen schon...

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