Elbflorenz II

Über eine verunglückte Löwenanlage und das Unvermögen, Elefantenbullen zu halten, habe ich mich bereits angemessen echauffiert. Das kann ich heute weglassen.
Stattdessen werde ich jetzt etwas tun, wozu ich leider viel zu selten Gelegenheit bekomme, ich werde ein bisschen schwärmen.

Ich schwärme von einem Giraffenhaus.
Das ist aus naheliegenden Gründen nicht niedrig.
Weil aber seine Architekten offensichtlich noch alle Latten am Zaun, äh ... an der Fassade hatten, ist es dennoch in der Lage, eine Illusion von flirrender Savannenluft und völliger Unaufdringlichkeit zu schaffen.

Zudem wurde dieses Haus, obwohl es in einem eher kleinen Zoo steht, so gestaltet, dass Mensch die Giraffe aus den beiden wirklich wichtigen Perspektiven bewundern darf: Ab Fußbodenkante mit dem Boah-ist-die-aber-groß-Effekt und nach Treppenerklimmung von Angesicht zu Angesicht mit der Oh-hat-die-schöne-Augen-Erfahrung.
Hinzu kommt eine gartenlandschaftsbauerische Gestaltung des Besucherbereiches rund um die Außenanlage, die anders, als Bambus, Cotoneaster und Co, eine wahre Illusion (bei diesem Wort wiederhole ich mich gerne und bewusst) von afrikanischem Dornendickicht zaubert.
Das macht Laune. Wir sind übrigens, nur für den Fall, dass es Ihnen entgangen sein sollte, in Dresden und ich schwärme weiter:

Ein Haus, das nicht Matakimbi-Sorano-Pantanalu oder so ähnlich heißt, hat schon mal eine Vorschusslorbeere verdient und gleich noch eine zweite, weil es keine Tropenhalle ist. (Beide hat es schon bekommen.)
Im „Prof. Brandes-Haus“ ist jede Innenanlage so gestaltet, dass sie auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner ausgerichtet werden kann. Das ist für Haltung und Zucht vieler Arten erheblich sinnvoller, als tropenhallende Gleichmacherei.
Die Außenanlagen am Hause des Professors, die keine Gitter besitzen, sind sehr gut dimensioniert, die volierenartig gestalteten Anlagen hätten gerne ein bisschen größer ausfallen dürfen, doch wenn ein, zu den „kleineren Vertretern der Gewöhnlichen Makis“1 gehörender Lemur, wie der Kronenmaki, darin herumklettert, dann sei auch das verziehen. Mögen sie sich vermehren, wie die Karnickel, die Makis!

Ein anderer Lemur, mit dem ich, auch wenn er in Zoos ziemlich inflationär vorkommt, meinen Frieden geschlossen habe, weil ich absoluter King Julien-Fan bin und dessen Zitat über Löwe, Zebra, Giraffe und Flusspferd, „Das sind nur eine Bande von die Weicheier!“, jederzeit unterschreiben kann, (auch wenn Giraffenaugen wirklich schön sind), bewohnt eine neu geschaffene, begehbare Insel im Weiher vor dem historischen Felsen, der von der rückwärtigen Löwenanlage zwar böse beleidigt, von der Kattaanlage aber definitiv aufgewertet wird.
Auf dieser Insel gibt es eine denkmalschützerisch geforderte Sichtachse (Peter Joseph Lenné lässt grüßen), die den schönen Nebeneffekt hat, dass die Kattas beim Wechsel von einem Gehölz auf das nächste auf den Boden herab müssen - wie im richtigen Leben halt!

Nach all der Lobhudelei bleibt zu hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, den in absehbarer Zeit verwaisten Affenfelsen, der mitten im Kinderbespaßungsgebiet liegt, erneut mit Primaten zu besetzten. Fliegende Bemmen sind da vorprogrammiert!

Ganz zum Schluss muss ich Ihnen dann aber doch noch mit auf den Weg geben, was den Dresdner Zoo zu einem wirklich ganz besonderen macht: Es gibt keine Erdmännchen oder Präriehunde weit und breit. Wozu auch - wenn man Ziesel hat!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 01.05.2011



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1http://de.wikipedia.org/wiki/Kronenmaki Abschnitt Merkmale, Satz 1. Ich werde Ihnen doch hier nicht den Karl Theodor zu Koch-Mehrin machen.