Nachtrag zum Quoll

Zoologische Gärten zwischen Kommerz und Wissenschaft


Man kann und muss zu den Leipziger Beutelmardern natürlich noch mehr von sich geben, als nur spontane Euphoriebekundungen:
Es wurden 3,3 Tiere importiert, was dem Schlauberger verrät, dass es sich um drei Männchen vor dem Komma und drei Weibchen hinter selbigem handelt, die künftig Nummern miteinander schieben sollen.
Da lässt sich schon mal vermuten, dass es nicht einfach nur darum ging, ein bestimmtes Tier unbedingt haben zu wollen, um es im Jahresbericht verewigen zu können (Motto: Einziger Tüpfelbeutelmarder Deutschlands - überhaupt!!!), sondern durchaus eine Zukunftsperspektive eine Rolle spielte.
Denken wir an die Fossa, deren europäische Gefangenschaftspopulation der Zoo Duisburg bravourös etabliert hat und betreut.
So etwas kann auch heute noch funktionieren. Man muss es nur wollen - richtig wollen, dann spielen zwei Jahre Papierkrieg und das Totschlagargument „Man kommt an die sowieso nicht ran.“ keine Rolle.
Damit hat der Zoo Leipzig denjenigen seiner Mitbewerber, die mit obiger Ausrede weitgehend auf „Der-Besucher-will-sie-unbedingt-sehen-Tierarten“ setzen, etwas vor den Latz geknallt.
Etwas, das mit seinem wahlweise zimt- oder zartbitterschokoladenfarbigem, immer mit Sahne übertupftem Fell und den Knopfaugen im Miniaturfuchsgesicht ganz bezaubernd ist. Das beste daran ist allerdings für mich ganz persönlich (man sagt mir ja nach, dass ich Alles, was kein Fleisch frisst, als Futter bewerte), es heißt nicht nur wie eines, es ist: EIN RAUBTIER! Gut es hat einen Beutel, aber andere nehmen schließlich auch Tüten mit, wenn sie Fleisch besorgen gehen.
Nun müssen diese Augenschmäuse (ich glaube es gibt gar kein Plural zu Schmaus, das macht aber nichts, das Wort sieht gut aus und beinhaltet hinten gleich das, was künftig vom Napf aus, in, sich an Zitzen festsaugende Embryonen umgewandelt werden sollte), die auf dem australischen Festland wegen der Konkurrenz zu eingeführten plazentalen Raubtieren schon länger verschwunden sind, sich nur noch vermehren. Und wenn es mehr geworden sind, dann schaffen es die, die es einmal geschafft haben, auch noch einmal und dann gibt es einen Gen-Austausch für vernünftiges Metapopulationsmanagement.
Kürzlich sollen Wissenschaftler in der Zeitschrift Science gefordert haben, dass die Zoos gefälligst mehr gefährdete Arten aufzunehmen haben (sehr frei zitiert aus untenstehendem Link). Na, wer sagt`s denn!
Es soll Arten geben (auch Nichtraubtiere), die es sogar noch viel nötiger haben, als der Quoll.

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 23.05.2011




P.S.:
45.000 € für bronzene Huf- und Tatzenabdrücke, die künftig den Weg zum Zoo weisen sollen, sind nichts anderes, als rausgeschmissenes Geld!

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