Zoologische Gärten zwischen Kommerz und Wissenschaft

Der Berliner Zoo erhält im Jahr 2012, nach Aussage der Finanzverwaltung, keine Zuschüsse mehr aus Steuergeldern.

Die Einnahmen, die der Eisbär Knut für den Berliner Zoo erzielte, waren nicht vorhersehbar - Massenhysterie ist zwar Bestandteil wissenschaftlicher Forschung, nicht aber der von Zoologischen Gärten.
Der Direktor verwahrte sich gegen eine Vermarktung des Bären und bekam Schelte. Man hätte mehr Geld mit dem Bären verdienen können - warum auch nicht: zweckgebunden für die Verbesserung der Tierhaltung und/oder für Artenschutzmaßnahmen. So sehr sich auch der Direktor verwehren wollte, Geld wurde trotzdem eingenommen und Überschüsse wurden erwirtschaftet. Nun heißt es: Drum braucht der Zoo keinen Zuschuss mehr.

Die verniedlichende Abkürzung „Zoo“ macht es den Menschen leicht, abwertende Urteile zu fällen: Tierknast, Amüsierbetrieb, Kommerzveranstaltung. Wenn sich Wissenschaft im Zoo darin erschöpft, neben dem Verfassen von Jahresberichten, Bücher mit Titeln wie: „Mit Opa Gerhard im Zoo“ zu veröffentlichen, ist es nicht verwunderlich, wenn man nicht als Wissenschaftliche Einrichtung wahrgenommen wird. Mit vollem Namen angesprochen sollten „Zoologische Gärten“ aber genau das sein.

Wissenschaftliche Einrichtungen sollten nun wiederum nicht dem Kapitalismus unterworfen werden. Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes zielt nicht darauf ab, die Wissenschaften für vogelfrei zu erklären. Ein aufgeklärter Staat sollte einen Teil des Geldes seiner Bürger wohldosiert in verschiedenste wissenschaftliche Disziplinen fließen lassen - nicht nur in solche, die versprechen, eines Tages Geld abzuwerfen.

Zoologische Gärten sollten darüber hinaus gemeinnützige Einrichtungen sein. Mit Forschung, Bildung, Tier- und Artenschutz lässt sich kein Geld verdienen. Wer Zoologischen Gärten vorwirft, sie seien dazu da, mit Tieren Kommerz zu betreiben, der sollte widerlegt werden, ansonsten werden künftig grauenvolle Schreckgespenster die Szenerie beherrschen: In Massen werden weiße Kiwis über gezielte Inzucht produziert, um sie in all den Einrichtungen auszustellen, in denen Achterbahnen durch Löwengehege fahren - ob die weiß sind oder nicht (also die Löwen) interessiert dann niemanden mehr. Was heute im Kino die 3D-Brillen (Für mich steht dreimal „D“ immer noch für: Drei doofe Deppen) sind, wird künftig für die Zoos das Nachtsichtgerät sein. An der Kasse gibt es Regenwürmer in der 100g-Packung, im Zooshop warten plüschige Kuschelkiwis auf Mitnahme und zu Ostern werden Kiwi-Eier ausgeblasen und anschließend mit Maori-Symbolen bemalt.

Ich selbst setze demnächst gelbe Kiwis in meinen Garten und eines sei Ihnen, liebe Leser hier und heute versichert: Wenn Sie kommen, um sich die anzugucken, dann nehme ich Eintritt und das eingenommene Geld benutze ich dann, um die in Neuseeland eingeschleppten Füchse und Hermeline allesamt umzubr... ich meine natürlich ...siedeln, umzusiedeln auf Brigitte Bardots Privatgrundstück.

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 01.06.2011




P.S.:
Wie Delphinarien sich, auch wenn sie nur Flaschennasen halten, für den Artschutz engagieren können, erfahren sie aktuell hier:
http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Im-Zoo-kam-der-kleine-Wal-ganz-gross...

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