Tierpark 2020+

Die „Erste Version des Zukunftsprogramms für den Tierpark der Hauptstadt“ überzeugt mich nicht.
Da wird auf 13 Folien teilweise geradezu laienhaft versucht, Laien davon zu überzeugen, dass der Tierpark mit massiven Investitionen eine goldene Zukunft haben wird.
Kann er haben.
Hätte er aber auch schon früher haben können.

Was bei diesem Programm völlig fehlt, ist eine realistische und selbstkritische Betrachtung des Ist-Zustandes. Ein Alleinstellungsmerkmal hat der Tierpark längst: Er ist unglaublich groß. Das wurde gerne schon mal mit dem Prädikat: Größter Landschaftstiergarten Europas belegt. Ich meine, mich zu erinnern, darüberhinaus auch schon einmal gelesen zu haben, dass er außer dem größten, auch noch der schönste ist!?
Da fangen die Probleme an.

Es gibt im Tierpark von vielem viel - Landschaft gibt es eher wenig.
Landschaft beschränkt sich derzeit auf Teilbereiche der bereits unter Prof. Dathe fertiggestellten Gehege. Die Kamelwiesen beispielsweise sind wunderbar organisch in die Parklandschaft eingebettet. (Wenn dort alle rezenten Kamelformen nebeneinander gezeigt werden, ist es dem undankbaren Besucher allerdings schon wieder völlig schnurz: „Alpaka, Lama, Guanako, Vikunja? Mmmh, alles Kamele halt!“) Alles, was nach der Wende gebaut wurde, liegt im Tierparkgelände herum, wie hingeschmissen. Alle Gehege, deren Besatz ohne Frage exquisit ist, sehen sich zum Verwechseln ähnlich: Grüne Zäune, Betonelemente und ein paar hineingewürfelte Natursteine. Von Landschaft kann nicht die Rede sein. Wenn er es positiv sieht, entlockt das dem Berliner ein freundliches: „Kiek ma - lauter Jejend“, aber nachhaltig beeindruckt ist er davon nicht.

Es ist viel Geld verbaut worden im Tierpark. Lottomillion nach Lottomillion, doch die Vorsilbe „ver-“, verrät, was damit passiert ist.

Der Tierpark als Landschaftstierpark: Dahinein hätte man in den zurückliegenden Jahren investieren müssen: Landschaftsbau und Naturillusion. Verschlungene Pfade, überraschende Einblicke, neue Perspektiven. Manatibecken ohne Ecken und Kanten würde dazu passen und Schneeleopardengehege die einen Yeti beherbergen könnten.

Wegen seiner schieren Größe ist der Tierpark, der Park der langen Wege, man läuft sich, wie man so schön sagt, einen Wolf. Deshalb ist eine der wirklich guten Ideen des Zukunftsprogramms die Einrichtung einer Bootsfahrt - aber bitte nicht irgendwo hingeklatscht, sondern als Teil eines Rundweges, damit das Boot die müden Füße ein wenig schont. Ähnliches soll auch die Parkeisenbahn leisten: Doch so wie sie jetzt fährt, ist sie nur ein angestaubtes Kurort-Accessoire, dann doch bitte eine Bahn, die auf eigenen Wegen, an besonderen Einsichtsmöglichkeiten vorbeifährt.

Wetterfeste Stationen kann der Park vermehrt gebrauchen, nicht aber als eine Art Experimentarium in Randlage, die Leute sollen doch schließlich IN DEN PARK geholt werden und bitte auch nicht unter Darbietung von „hautnaher Berührung mit der Evolution“, die erlebe ich auf Berlins Straßen jeden Tag. Günstiger wären strategisch eingestreute Unterstände in regelmäßigen Abständen zwischen den Outdoor-Erlebnislandschaften. Ein vernünftiges Haus für die Malaienbären ist schon lange fällig.

Ein Leuchtturmprojekt braucht der Tierpark hingegen nicht. Leuchttürme warnen vor Untiefen. Die sind schon lange bekannt und auf Galapagos gibt es Kormorane - die können nicht fliegen.

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 01.07.2011



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