Eisbären und Delphine

Immer wieder geistern stereotyp die gleichen Argumente zu den gleichen Tieren durch immer die gleichen Medien.
Deshalb kommen solche jetzt auch noch mal von mir:
Richtig ist, die Haltung von Flaschennase und weißem Bär im Zoo ist kein Artenschutz.
Ziemlicher Blödsinn ist - und davon bin ich überzeugt, es sei denn, man wird mir eines Tages im Vorhof zur Hölle anderes klarmachen - zu behaupten, dass Freund Flipper und Bruder Bär unter keinen Umständen artgerecht in Gefangenschaft gehalten werden können. Das Wort Gefangenschaft benutze ich dabei weiterhin gern, denn aus menschlicher Sicht ist es der richtige Begriff - aber eben nur aus dieser.
Richtig ist auch, dass es gar gruselige Haltungen von allen möglichen Tieren auf unserem ansonsten so schönen Planeten gibt - auch in Zoologischen Gärten.
Falsch ist, alle über einen Kamm zu scheren, und das machen insbesondere gerne die Leute, die noch nie beim Scheren dabei waren oder aber das letzte Mal, als es noch mit Faustkeil gemacht wurde.
Soviel zu den eher einfach einzutaktenden Sachverhalten, nun zu den komplizierteren:
Wozu soll man Tiere im Zoo halten?
Fürs Amüsement? Wer das tut, gehört versohlt!
Das ist der falsche Begriff; es handelt sich um Erholung, heißt es. Muss Mensch sich beim Tier erholen? Kann er das nicht mit Tabak, Koffein, Alkohol und Billigreiseanbietern machen? Der Begriff Erholung ist meines Erachtens für den Zoo zu sperrig und bringt einige Zeitgenossen dazu, vor lauter Tieren im Zoo, nur noch die zu sehen, die durchgedreht und durchgegart in einer Schrippe liegen und im Beisein oben erwähnter, gesellschaftlich akzeptierter Drogen verzehrt werden. Richtig ist, es gibt gar gruselige Gastronomie in Zoos und das Biosiegel sollte längst überall prangen.
Eigentlich muss es um authentische Naturbegegnungen gehen.
Dann geht halt in den Park, schallt es mir entgegen, Enten gucken - aber nicht füttern und exotische Tiere, die kann man auch im Fernsehen sehen! Ja, fern eben.
Gar gruselig ist der naturentfremdete Mensch.
Es gibt Tierarten, die sind richtige Menschenfischer: Elefanten, Große Katzen, Pinguine, Koalas, und halt auch Delphine und Bären. Sie sind besonders in der Lage, Begeisterung zu wecken und darum soll es gehen: Um die Wahrnehmung des Schönen und Besonderen, das sich um uns Menschlein herum befindet. Das können Zoos bieten. Ob es Eisbär und Malaienbär gleichermaßen gut können oder gar der Waschbär dasselbe leisten kann (wobei der für bestimmte Mitbürger schon nicht in Frage kommt, weil sie in deutschen Gehegen auch nur deutsche Tiere sehen wollen) darüber kann gestritten werden, genauso über die Frage, wie viel die Art der Präsentation dazu beiträgt, dass das Tier als faszinierend wahrgenommen wird.
Will der Zoo als Artenschutzeinrichtung ernstgenommen werden, dann muss es, bei dieser Auswahl, der Malaienbär sein.
Kommen wir zur Bildung, da ist es wie in der Schule, es gibt Lehrer, die können Wissen vermitteln und es gibt die anderen und es gibt Schüler, die sind wissbegierig und aufnahmefähig und es gibt andere. Die richtige Paarung hinzubekommen, sollte unbedingt versucht werden.
Nach der Forschung muss man mancherorts forschen und manches wird zu forsch so genannt, aber geforscht wird - an Universitäten angeblich auch.
Unglaublich oft betreiben Zoos übrigens auch Individualschutz für Tiere, die ebenso oft nicht zu ihrem eigentlichen Bestand gehören - das nennt man gemeinhin Tierschutz.
Kommen wir zum Schlusswort: Zoos einfach immer nur doof zu finden, ist mir zu billig!
Es gibt einiges zu tun auf unserem Planeten. Wer das eine tut, muss das andere nicht lassen und was am Ende richtiger oder wichtiger war - wer will das hier und heute schon wissen? Wer von sich selbst behauptet, über genau dieses Wissen zu verfügen, steht auf jeden Fall unter Generalverdacht, ein heißer Anwärter auf direkten Durchmarsch durch oben erwähnten Vorhof zu sein.

Man sieht sich
Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.08.2011