Löwensenf

Ich würde mich so gerne mal wieder der Zookritik widmen, aber diejenigen, die ähnliches zu tun vorgeben, halten mich mit schöner Regelmäßigkeit davon ab, indem sie ihren Senf zu allem dazugeben, was ihnen zu Ohren kommt, ganz unabhängig davon, ob sie wirklich etwas zu sagen haben.

Folgender Satz steht im Raum: „Wenn es reicht, einfach einen Riegel wegzuschieben und es keine Sicherheitsschleuse gibt, hat das Management fahrlässig gehandelt“.

Ich verrate Ihnen nicht, von wem der Satz stammt, er bezieht sich jedenfalls auf zwei Löwenjungtiere, die im Zoo Berlin von einem erwachsenen Löwenkater getötet wurden, weil ein Pfleger einen falschen Schieber betätigt hat.
Löwenmännchen töten fremde Löwenjungtiere - das ereignet sich in der wilden Wildnis und auch in weniger wilden Reservaten regelmäßig - der Art Panthera leo hat das bis heute nicht geschadet.
Es ist also durchaus artgerecht, ein Löwenjungtier von einem Löwen töten zu lassen.
Nun war es aber wohl nicht beabsichtigt.
Wie soll ein Schiebersystem aussehen, damit so etwas nicht versehentlich passieren kann?
Der Löwe - nur zur korrekten Einordnung - ist nicht durch Berlin-Charlottenburg geschlendert und hat dort die Schoßhunde (neuerdings oft Möpse) der West-Berliner Schickeria gefressen, sondern ist nur zu Seinesgleichen in ein benachbartes Abteil gelangt.
Es ist der Sinn solcher Schieber, ohne große Aufregung Tiere miteinander vergesellschaften zu können, sie gegebenenfalls wieder voneinander zu trennen oder ihnen allen gemeinsam eine größere Fläche zur Verfügung zu stellen. In guten Tierhäusern lassen sich die Tiere heutzutage durch alle Abteile des gesamten Hauses schiebern, um jeglichen, unnötigen Kistentransport oder gar eine Narkose bei Neubelegungen und Neukombinationen zu vermeiden. Das geht im Berliner Raubtierhaus nur zwischen den Innenboxen der einzelnen Gebäudeflügel. Das ist schade, aber das Haus stammt aus den 1970ern und damals war das, was da verwirklicht wurde, eine gute Idee. Ich zitiere aus „Die Arche Noah an der Spree“1: „Mit Hilfe hydraulischer Schieber können seitdem ganze Trennwände zwischen den Käfigen hochgehoben und bei Bedarf noch größere Räume für die Tiere geschaffen werden.“
Weil Schieber genau dafür da sind, bedarf ihre Betätigung einer gewissen Sorgfalt.
Dort wo es um die Trennung Tier/Mensch geht, gibt es immer zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen, wie z.B. Schleusen. Nun aber eine Schleuse und damit zwangsläufig einen weiteren Schieber, zusätzlich zu dem zu fordern, der ein Innengehege vom anderen trennt, ist schon mehr als krude - das auch noch zu einem Managementfehler der im Jahre 2011 agierenden Zooleitung zu erklären, ist formvollendeter Quark!
Das Management der Berliner Zoos macht Fehler und die gehören benannt.
Der größte Fehler, den die Berliner Zoo- und Tierparkleitung macht, heißt „weitgehende Abwesenheit von Innovation“, nicht aber „falsche Bedienung von Schiebern“.
Das dem Volke weismachen zu wollen ist: Schiebung!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 01.09.2011




P.S.:
"Schauinsland-Reisen Lemuren-Insel" ist eine Wortschöpfung, die erst mal benutzt sein will. Respekt!!!

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1H.-G. Klös / H. Frädrich / Ursula Klös, Die Arche Noah an der Spree, FAB Verlag, 1994