Seekuhlare Gedanken über Delphine

Am vergangenen Wochenende fand in Zürich die Wildtiertagung des Schweizer Tierschutz (STS) zum Thema „Trends und Probleme der modernen Zootierhaltung“ statt.
Das Bemerkenswerte am Schweizer Tierschutz ist, dass er anders, als manch deutscher oder österreichischer Verband, die Existenz von Zoos höchst pragmatisch akzeptiert und seine Kräfte dafür nutzt, Zootierhaltung zu verbessern, anstatt mit dem Kopf gegen Zoomauern zu rennen.
Bei Delphinen in binnenländischer Menschenhand kennt auch der STS keinen Spaß.
Dass die einzigen Delfine der Schweiz in einem Erlebnispark leben, ist aber auch wenig vergnüglich.
Von den dort gehaltenen Delfinen sind innerhalb einer Woche zwei Delfine gestorben.
Die Gründe liegen noch im Dunkeln - es könnte sich um eine Vergiftung handeln - in dem Zusammenhang gibt es auch Spekulationen, ob eventuell radikale Tierschützer dahinter stecken könnten.
Solche Verdachtsmomente dürften einem gesunden Menschenverstand eigentlich gar nicht in den Sinn kommen, doch je mehr ich darüber nachdenke, desto eher kann ich mir vorstellen, dass es derartig fehlgeleitete Hirne tatsächlich gibt, die bewusst Tiertötung in Kauf nehmen, um anderen Tieren Gefangenschaft zu ersparen. Passiv ist das ja schon oft geschehen - bei Tierfreilassungen aus Pelztierfarmen. In Sachen Delphin sind einige Zeitgenossen derartig emotionalisiert - denen ist alles zuzutrauen.
Delphinhaltung nach der Art des STS abzulehnen, ist völlig legitim, die gestiegenen Besucherzahlen des Nürnberger Tiergartens nach Eröffnung seiner neuen Delphinanlage sind allerdings ein deutliches Zeichen dafür, dass es viele Menschen gibt, die es sich wünschen, Delphine zu sehen - und zwar zu, für sie selbst, ökonomisch vertretbaren Bedingungen. Natürlich kann es sein, dass viele von denen einfach nur völlig bekloppt und unreflektiert sind - das sind viele Zoobesucher - aber wenn wir nun doch in einigen Menschenkindern die zarte Saat der Tierbegeisterung mit Delphinarienwasser begießen können und sie dadurch zum Sprießen bekommen ...
Ich brauche keine Tümmler im Zoo, das wissen Sie, liebe Leser, hätte man den Baiji damals ... - aber das ist eine andere Geschichte.
Rein ästhetisch hat der Nürnberger Tiergarten mit der neuen Delphinanlage, die ich mir auf der Anreise zur Tagung des STS anschauen konnte, sehr gewonnen.
Begann der Tiergarten für mich bislang erst hinter dem Delphinarium, weil er erst dort seinen landschaftlichen Reiz ausspielen konnte, hat er jetzt schon weit vorne eine, seinem Corporate Design entsprechende Note dazubekommen. Besser als im „Aqua Park“ sind hier künstliche und kubische Elemente mit natürlichen und naturidentischen verwoben worden.
Delphine leben nicht in Steinbrüchen, da helfen keine zoopädagogischen Verrenkungen und einen Softporno möchte man in einer solchen „Lagune“ auch nicht drehen müssen, aber der neue Steinbruch, der ist hübsch. Tiergärtnerisch durchdacht ist er allemal, aber wie in Steinbrüchen so üblich, fehlt einem ein wenig das Phänomen Weite.
Das beste an diesem Steinbruch ist allerdings, dass er von einem echten Knaller flankiert wird: Dem Manatihaus!
Dem fehlt zwar die Unterwassereinsichtsdramaturgie der Manatianlage des Odense Zoo in Dänemark, aber sonst: Toll.
Über Wasser vielleicht ein bisschen viele Bromelien ..., aber: Toll!
Und soviel Greisenbart ..., egal, trotzdem: Toll!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.11.2011




P.S.:
Im Hannoveraner Zoo beabsichtigt man, „die zu kleine“ Schneeeulenvoliere zu vergrößern: Na, huch!

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