Basel

Spannenderweise wurde im Zoo Basel, wie auch in Zürich, zunächst die Raubtierhaltung überarbeitet, bevor man sich anderen, nicht weniger wichtigen Baustellen widmete. Dem Wunsch, mit einem Fingerschnipsen alle unbefriedigenden Tierhaltungsformen in einem Zoo auf einmal auszuradieren, ist und war europaweit weder mit Deutscher Mark, Dänischer Krone, Griechischer Drachme oder Schweizer Franken beizukommen.1

Erst im Jahre 2012 werden die Baseler Menschenaffen etwas erhalten, das die Bezeichnung Außenanlage verdient. Das ist umso erstaunlicher, weil die Wissenschaft den Baseler Gorillas durchaus dankbar sein darf und das Menschenaffenhaus selbst, als es gebaut wurde, einige innovative Elemente aufwies. Mehrere zusammenschaltbare „Zimmer“ als künstlicher Lebensraum können mehr Struktur, mehr Rückzugsmöglichkeiten und „Gemütlichkeit“ bieten, als eine einzelne Halle, insbesondere, wenn die Bewohner ursprünglich aus Dschungeln kommen, in denen man nur bis zum nächsten Baum gucken kann.
Diese Räume zu vergrößern, widerspricht dem Ursprungsgedanken keineswegs, ob es wirklich glücklich gelöst ist, an der Idee, des auch vom Besucher einsehbaren Pflegerganges hinter den Anlagen festzuhalten, ist eher fraglich. Zoologische Gärten sollten in der heutigen Zeit möglichst authentisches Tierverhalten zeigen - zuviel Pfleger-Pflegling-Interaktionen können dabei durchaus stören.
Die Außenanlagen zu vergittern, statt mit Freisichtgräben auszustatten, ist für einen Innenstadtzoo, der in der jüngern Vergangenheit keine größeren Erweiterungsflächen hinzubekommen hat, eine vernünftige Entscheidung. Das Gitter selbst und die Pylone, die dieses später einmal halten werden, sind selbst schon vom Tier nutzbare Strukturen und auch bewusst so ausgelegt.
Wenn man derzeit als Besucher vor der Baustelle steht, ist man versucht, auf sich selbst zielende, ziehende Handbewegungen zu machen, weil die bereits stehenden Gitternetze den Eindruck erwecken, als ob man die einzelnen Anlagen durchaus weiter in den Besucherbereich hätte hineinziehen können, aber diesbezüglich möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, bzw. in den Zoo hineinlehnen, weil ich die nötigen Versorgungs- und Besucherfluchtwege nicht kenne.

Den nach oben offenen Schneeleoparden (siehe Ausgabe vom 23.11.2011) die Thare als Nachbarn wegzunehmen ist aus didaktischer Sicht beinahe unverzeihlich, zumal die Nachmieter keinesfalls solche sind, die den Zooaufenthalt aus Artenschutzgründen nötiger hätten, da hilft es auch wenig, dass zwischen den Katzen und den Affen ab und an die Luft knistert - Schneeleoparden jagen im Ursprungslebensraum doch eher selten einen Javaneraffen.

Richtig schick ist die neue Panzernashornaußenanlage: Viel Platz rund um Pflanzinseln, die von den vergesellschafteten Muntjaks und Zwergottern (die die Anlage zusätzlich attraktiv machen) mitgenutzt werden können, ordentlich dimensionierte Wasserbecken und zusätzliche Schlammsuhlen ergeben eine Panzernashornhaltung, die man, für diese im Freiland stundenweise beinahe semiaquatisch lebenden Nashörner, so viel zu selten findet. Da lohnt nochmals ein Blick zurück nach Nürnberg (Ausgabe vom 15.11.2011): Den dortigen Panzernashörnern bekommt die Abwesenheit von Elefanten ausgesprochen gut.

Die beinahe interessantesten Tiere des Baseler Zoos nehmen niemandem wirklich Platz weg, sind als Einzelindividuum eher unspektakulär und dennoch die „größten“ Grasfresser der Erde und sie versöhnen mich mit dem Schneeleoparden-Thar-Fauxpas: Es sind Termiten. Zoopädagogisch unglaublich wertvoll und wenn sie ausschwärmen ein tolles Futter für etliche andere Zoobewohner. Ökologie vom Feinsten!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 01.12.2011



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1Diese Auswahl ist rein zufällig.

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