Bao Bao ist tot

Drei Jahrzehnte lang hat er Generationen von deutschen und nachbarländischen Kindern dabei geholfen, ihre Eltern in den Berliner Zoo zu bekommen.
Anfang der 80er, nach seiner Ankunft zusammen mit Tjen Tjen, gab es etliche berliner Kinder, die, sobald sie gebeten wurden, ein Tier zu malen, einen schwarz-weißen Bären malten.
Ich gehörte dazu.
Über die Qualität dieser Werke lässt sich streiten, die Begeisterung die Pandas bei Menschen auszulösen vermögen, ist nicht bestreitbar.
Dahingehend ist der Panda ein gutes Zootier.
Seine akute Bedrohung durch Lebensraumverlust, Lebensraumfragmentierung und den daraus folgenden Problemen für einen Nahrungsspezialisten, ist zoopädagogisch unglaublich gut vermittelbar.
Den Panda in Gefangenschaft zu züchten, wenn Mensch ihn nicht für immer verlieren möchte, ist nur folgerichtig.
Dem hat sich Bao Bao verweigert. Fast hat er uns, gemeinsam mit den anderen, wenigen Exil-Pandas, den Glauben vermittelt, sie wollten, dass man sie, den Forderungen einiger Separatisten folgend, in Würde aussterben lässt.
Richtig würdevoll wäre das aber nur dann gewesen, wenn Bao Bao den zwischenzeitlichen Aufenthalt auf der eigentlichen Tigeranlage bis zu seinem Lebensende hätte beibehalten können.
Nun haben mittlerweile neue Generationen von Pandas bewiesen, dass sie keine Lust haben, sich der Lust nicht hinzugeben - mit den zu erwartenden putzigen Folgen.
Das sollten sich auch die Chinesen sehr genau ansehen, denn bei all dem, bei ihnen zu Hause bezüglich der Pandazucht herrschenden Fortschrittsglauben und aller verfügbaren Reproduktionstechniken, gilt auch hier das finale Ziel (welches ich in der letzten Ausgabe vom 15.08.2012 nicht als Selbstzitat wörtlich wiedergegeben habe, heute dann aber doch tue): „Zurück zum Ursprung - zum Natursprung!“
Bao Bao nebst ihm angedachter Partnerinnen haben sich auch der künstlichen Variante der Vermehrung verweigert und über Kosten, Nutzen, Sinn und Zweck von Panadaleasing brauchte Bao Bao sich nicht den Kopf zerbrechen - er war ein Geschenk.
Eines, das etlichen Menschen Freude bereitet hat.
Danke dafür!
Mögest Du in den ewigen Bambushainen immer einen ordentlichen Stängel Bambus im Griff Deines Pseudodaumens haben.

CarstenBerlin, den 23.08.2012