Von 0 auf 360 in drei Phasen

Die Leser des Magazins „Tiergarten“ (Ausgabe 4/2012, S. 4-8) hatten gerade das Vergnügen, zu erfahren, dass man es im zunehmend überkandidelten Leipzig, dessen Kuratoren teilweise krude Ansichten zum Thema artgerechte Haltung von Canis lupus familiaris haben, dennoch ernst nimmt, mit einer artenschützerisch bedeutsamen Bestandsplanung.
Hatte man in der jüngeren Vergangenheit noch Angst, dass bestimmte Arten rausfliegen könnten, ist man jetzt als Anhänger von Tieren, die andere Tiere fressen, froh zu sehen, dass nun tatsächlich für Schneeleoparden und Amurleoparden geplant wird.
Der „Tiergarten“-Artikel über die „Entwicklungsphase 3“ scheint vom beauftragten Architekturbüro zu stammen und nicht vom Zoo selbst, so ganz durchschaubar ist das nicht, unabhängig davon sollte jeder gute Zoo die Planungen der Architekten in der arbeitsalltäglichen Umsetzung den tatsächlichen Bedürfnissen der Bewohner anpassen. Buntmarder auf einer vom Besucher gänzlich zu umrundenden Anlage zu halten ist zum Beispiel grauenvoller Quatsch. Ich selbst habe einst für das Projekt RaubtierPark eine auf einem Hochsteg durchquerbare Buntmarderanlage entworfen und würde mit dem heute vorhandenen Wissen über das Wesen des Buntmarders so etwas allerhöchstens dort realisieren, wo sich diese herrlichen Tiere nicht vermehren sollen.
Wie Rothunde und Bartaffen sich eine Anlage teilen sollen, kann ich mir nicht so recht vorstellen - aber kreative Vergesellschaftungsideen kann man im Zoo gar nicht genug haben.
Den Afrikanischen Wildhunden würde man mehr Langstrecke wünschen und Riesenotter gehören natürlich ins Pantanal. Eine echte Überraschung gibt es aber: Die Tüpfelhyänen erhalten endlich eine Zweitanlage, die ist absolut überfällig - insbesondere bei den Leipziger Tieren.

Carsten SchöneBerlin, den 01.10.2012



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