Eismeer

Das alte Hagenbeck`sche Eismeer, es war marode - das Neue ist neu.
Der erste Eindruck, vom Haustierbereich kommend, ist ernüchternd.
Sieht nicht viel anders aus, als vorher, bis auf den Kunstfels, der ist felsiger.
Die Wasserbecken sind in etwa da, wo sie vorher auch schon waren, ihre Dimension scheint weitgehend unverändert und Innovation ist nirgends zu sehen.
Die Pinguine plantschen in einer Pfütze und ob den Robben anderes Substrat als Kunstfels zur Verfügung steht, ist aus Besuchersicht nicht ersichtlich, dort wo Kies ist, sieht er festgeklebt aus, so wie später auch im Besucherbereich, was dort natürlich nützlich ist, im Gehege wäre es aber doof.
Den Eisbären stehen so viele dritte Dimensionen zur Verfügung, dass man als Eisbär eventuell nicht ganz genau weiß, was man davon halten soll. Eine richtungsweisende Eisbärenhaltung (man schaue nach Kolind und Orsa, gerne auch nach Nürnberg und München oder ganz woanders hin, wo es sich lohnt) hält jedenfalls andere Attribute bereit, als dieser Kletterfelsen.
Eine Dallschafherde, vergesellschaftet mit einer Familie kanadischer Fischotter, das wäre ein toller Besatz für diese Anlage. Im Wasserbecken wäre Leben und auf allen Gipfeln keine Ruh, sondern Schafe.
Wobei die Perspektive auf die Eisbären, durch die erste Über- und Unterwasserscheibe hindurch, eine grandiose ist. Die Bären stehen auf ihrem Felsen leicht erhöht. Für das besuchende Menschlein ist die ganze Wucht dieser weißen Robbenschädelbrecher somit höchst imposant erfassbar. Davon haben aber die Bewohner nichts.
Der folgende Tunnel entbehrt nach kurzer Strecke Weges weiterer Kunstfelsigkeit. Ohne mir jetzt noch mal die Fotos anzuschauen, würde ich sagen, der war blau - warum auch nicht, ist ja ab und an mal ein netter Zustand.
In dieser Bläue erscheint schließlich eine erste komplette Unterwasserscheibe und jetzt gerät man in einen Gemütszustand, der einem vorher schmerzlich gefehlt hat, man ist spontan wirklich baff! Man staunt über die schiere Tiefe des Wasserbeckens von Kegelrobben und Walross, die von oben nicht zu erahnen war. Hier unten ist so viel Platz, zum sich Ausschwimmen, da steht man staunend davor. Tolle Sache!
Das war es aber noch nicht.
Um die Ecke geht’s noch tiefer.
Hier wartet eine Panoramascheibe - der Einblick mit dem Anblick des majestätisch durchs Wasser schwebenden Walrosses, umspielt von der Leichtigkeit der sich kegelnden Robben, ist einfach nur herrlich!
Davon schwer beeindruckt läuft allerdings ein Grossteil der normalen Besucher an der nächsten, wieder etwas kleineren Scheibe, hinter der sich, eigentlich nicht weniger beeindruckend, Seelöwen und Seebären tummeln, banausenhaft vorbei.
Ein Becken voller Forellen wird dann gleich links liegen gelassen („Ach, nur Fische.“). Dass hier auch Papageientaucher „vorbeifliegen“ könnten, erschließt sich dem nicht mit „unnötigem“ Vorwissen belasteten Gast nicht auf Anhieb.
Ob der nun auch noch kapiert, dass die dann folgenden, mit ebenfalls viel Schwimmraum bedachten Pinguine dieselben sind, die oben noch in der Pfütze schwammen, ist ebenso fraglich. Das kann nun aber den Bewohnern egal sein, genauso wie die Frage, ob Mensch weitergehend in der Lage ist, die sich oberaquatisch anschließende Dünenlandschaft mit Nisthöhlen dem ganz am Anfang der Eismeerbegehung gesehenen Pinguingehege zuzuordnen. Ich vermute mal, dass die optische Trennung dem Denkmalschutz geschuldet ist. Aus Hagenbeck`scher Panoramatradition heraus, wäre ein Durchblick an dieser Stelle beinahe logischer - trotz des entstehenden „Crossing Views“.
Alle bislang gesehenen Tieranlagen kamen sehr wohltuend ohne all den menschlichen Schnickschnack aus, der sonst in so vielen anderen zoologischen Gärten zur Herstellung von angeblich landes-, landschafts- und biotoptypischem Flair herhalten muss. Ölfässer gab es nur im Besucherbereich - als Mülleimer - das ist zoopädagogisch durchaus nutzbar.
In der Meeresvogelvoliere stehen dann erstmalig drei Hütten und ein Boot herum - sollen sie, tut keinem weh.
Das Konzept des Rundwanderweges für Königs- und Eselspinguine ist von der Theorie her beinahe genial. Ob er in der Praxis funktioniert? Die Tiere werde es uns zeigen!
Das Eismeer, das oberirdisch ein bisschen langweilig daherkommt, schafft es innerhalb der Kunstfelskulissen durchaus anderthalb Stunden lang den Besucher bei Laune zu halten. Das ist für jeden Zoo ein ziemlich großer Wurf!
Ich hätte ja, rein von der Dramaturgie her, den Weg unten durch andersherum ..., nee, egal ..., Klugscheißerei. Lassen wir das ... für heute.

Tschüss
Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.10.2012



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