Erdlinge

Der unter folgendem Link zu findende Artikel ist in vielerlei Hinsicht interessant:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/artenschuetzer-sollen-zootiere-als-eigene-
population-betrachten-a-872405.html


Es fängt damit an, dass der Linktext dem Artikel fast schon widerspricht, geht es doch dem zitierten Kent H. Redford und seinen Co-Autoren, Deborah B. Jensen und James J. Breheny offensichtlich darum, Zoobewohner und Freilandbewohner einer Tierart als Metapopulation zu begreifen. Die Idee ist nicht neu, es ist aber an der Zeit, diese Idee massiv zu bewerben und schleunigst umzusetzen. All das angeblich altruistische Zeug, dass der Mensch so treibt, tut er schließlich letztlich für sich selbst und sein eigenes Wohlbefinden, ob er nun dreibeinige Puscheltiere „rettet“ oder schleimige Nasenfrösche, es geht dabei immer um: Uns selbst.
Das ist auch gut so und um unserer selbst Willen, ist es auch nötig, in einer mannigfaltig vernetzten, mit möglichst großer Vielfalt ausgestatteten Welt zu leben.
Das nun ist allerdings noch viel zu Wenigen von uns so richtig klar und dass Zoologische Gärten daran nachdrücklich mitarbeiten können und sollen, ist sowohl innerhalb der Zoomauern, als auch außerhalb, noch lange nicht Allgemeingut, was auch stereotype Reaktionen einiger Kommentatoren deutlich zeigen.
Wir müssen mit dem „Vor-uns-hin-Murkeln“ aufhören, in großen Zusammenhängen denken und mit Hybridtechniken, wie sie in dem Artikel angesprochen werden, arbeiten, sie überdenken und neu erfinden.
Die Idee: „Ich ziehe einen Zaun um eine Stück Natur und dann überlebt da drin alles von uns Menschen ungestört, bis ans Ende seiner oder unserer Tage“, greift heutzutage einfach zu kurz. Wir werden immer mehr (rein zahlenmäßig) und unser Einfluss auf den Planeten lässt sich nicht mit einem Fingerschnipsen abstellen, also heißt das: Wir sollten dafür sorgen, dass wir mit jeglichem Viehzeug gemeinsam existieren können und nicht der eine hier, der andere dort und dabei gibt es dann kaum Berührungspunkte.
Der naturentfremdete Mensch ist brandgefährlich, er versteht Zusammenhänge nicht mehr und er zeigt ein Desinteresse an seiner eigenen Lebensgrundlage, das aufgebrochen gehört.
Dass wir zum Beispiel die europäische und damit die deutsche Wolfspopulation nicht viel gezielter einem Metapopulationsmanagement unterstellen, zeigt, dass wir es mit einer Menge ideologischer Scheuklappen, auf allen möglichen Seiten, zu tun haben, was dazu führt, dass die Entwicklung der höchst anfälligen Zuwanderpopulation doch ziemlich dem Zufall überlassen wird.
Als Großstadtbewohner war für mich vor einiger Zeit, die Idee einer ganzjährigen Vogelfütterung, ein echter Augenöffner. Ich weiß offen gestanden bis heute noch nicht, was ich davon halten soll!? Ich werde die Augen und Ohren offen halten, aber der Wille, diese Idee aus der „Alte-einsame-Frau-füttert-Vögel-auf-dem-Fensterbrett-Ecke“ herauszuholen, allein der, ist Gold wert.
Was wir brauchen, ist Verantwortungsbewusstsein und ein solches zu haben, bedeutet viel öfter: Sich einmischen, als sich raushalten.
Ob es Ihnen oder mir gefällt, oder nicht, Sie und ich, liebe Leser, wir gehören zur Metapopulation der Erdbewohner, wir haben nur das merkwürdigste Gehirn von allen: Das verpflichtet.

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.12.2012