Neues Vogelhaus im Zoo Berlin

Fürchtete man bislang, die grünen Zäune könnten massiv von Ost nach West schwappen, weiß man nun, dass silbrige Gitter diese Gefahr vorübergehend bannen. Ich weiß nicht, ob der Architekt einen Silberblick hat, oder ob die Farbe noch kommt, sicher ist jedenfalls, dass jeder private Volierenbauer, der seine Vögel vernünftig sehen möchte, seine Gitter grün, oder schwarz, oder anderweitig dunkel streicht. Auch weiß man, dass man im Vogelbauer mindestens zwei Anflugstangen anbringt, damit das Vögelchen auch mal hin und her hopsen und seine Flügel lupfen kann. In zahlreichen Volieren des neuen Vogelhauses des Zoo Berlin hält man das nicht unbedingt für nötig, da muss das Vögelchen von seinem Ast ans silbrige Gitter fliegen.
Wer Vögel kontrolliert züchten möchte, braucht Einzelvolieren - in Mengen. Flughallen sind dafür nicht kontrollierbar genug. Einzelvolieren gibt es im und am neuen Vogelhaus in schöner Menge - es sitzen auch eine Menge Arten drin. Das ist schön für den Artensammler und diesem tiergärtnerischen Anachronismus frönt man in Berlin in Zeiten des Artensterbens weiterhin.
Dazu passt, dass das Vogelhaus rein architektonisch eher ein Museum ist, als ein Tierhaus. Als Mensch steht man vor den Ausstellungstücken und ist völlig außen vor. Selbst da, wo man eigentlich mittendrin sein sollte - in den Freiflughallen - wird man von Glasfronten abgelenkt, die uns freien Blick bieten, auf: Andere Besucher!
Merkwürdig ist auch das kleine Suchspiel, dass den Besucher auffordert, die Türen zu finden, die zu Tieren führen, um sie von denen zu unterscheiden, die ihn zu gar nichts führen und wer die Flughunde findet, hat gewonnen!
So richtig verscheißert werden wir aber von dem, was sich „Baumwipfelweg“ nennt. Natürlich müssen die Bäume erst wachsen, aber selbst dann wird das, was sich uns da darbietet, kein Weg, das ist eine bessere Empore und das Verb dazu ist: empören!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.06.2013



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