Giraffe Marius

Was die deutsche Presse über eine dänische Giraffe schreibt, sagt mehr über die Befindlichkeiten der Nutzer des weltweiten Netzes aus, als über die der Dänen. Denn nicht in Dänemark, das knapp 5,6 Millionen Einwohner hat, laufen „tausende Tierfreunde“ Sturm, wie es in einigen Artikeln zu lesen ist, sondern im Internet laufen sie Sturm und wo die ihren Wohnsitz haben, die da Sturm laufen, das ist schon mal interessant.
Im Internet herrscht derzeit, völlig unabhängig von verfütterten Giraffen, eine Erregungsunkultur, die nach Abkühlung schreit. Krakelende Minderheiten, die nicht davor zurückschrecken, strafrechtlich relevante Aussagen zu treffen, terrorisieren schweigende Mehrheiten.
Demokratie besteht darin, die Interessen von Mehrheiten umzusetzen. In Deutschland und nicht nur hier, hechelt man neuerdings unausgegorenen Meinungen unerzogener Internetrüpel hinterher.
Ob man bestimmte Dinge tun muss, nur weil man es darf, das kann diskutiert werden - aber nicht auf Speed!
Es gibt momentan in Dänemark nichts, was Giraffen betrifft, dass das Wort Skandal verdienen würde.

Carsten SchöneBerlin, den 12.02.2014