Raubtiere

Über viele Jahre hinweg habe ich Frettchen gehalten.
Tolle Tiere. Wie toll die sind, habe ich schon an anderer Stelle erzählt.1
Ich habe sie als Haustiere gehalten, was sie ja sind. Domestiziert vermutlich schon von den Römern (Damhirsch lässt grüßen), aus dem Iltis (manchmal auch europäischer Waldiltis genannt, im Gegensatz zum Steppeniltis) um ihn (den Iltis) und später dann es (das Frettchen) zur Jagd auf Kaninchen (zu deren Verbreitung die Römer auch nicht unmaßgeblich beigetragen haben) einzusetzen.
Im Gegensatz zum Iltis haben Frettchen ein reduziertes Bewegungsbedürfnis, das aber immer noch enorm ist. Meine lebten in einem Dachgeschosszimmer mit Dachterrasse. Dank Klettermöglichkeiten, Buddelkisten, Wasserbecken und vielem mehr (auch das können Sie an der anderen Stelle nachlesen1) gab es keinerlei Verhaltensauffälligkeiten, die darauf hätten schließen lassen, dass es den Tieren an irgendetwas fehlt.
Quirlig gockernd schossen sie durchs Leben, bissen unvorsichtige Menschen und fraßen ihr Leben lang: Fleisch. Aus Dosen. Katzenfutter nämlich - zur Abwechslung auch als Trockenfutter.
Letztlich bekam ihnen das nicht gut. Insbesondere die Fähen bekamen im fortgeschrittenen Lebensalter allesamt Probleme mit den Nieren. Spezielles Frettchenfutter war zur damaligen Zeit noch nicht im Handel, blieb als einzige Alternative die Ernährung mit kompletten Futtertiere, die mit Haut, Haaren und Mageninhalt die Verdauung am Laufen halten und die Versorgung mit allen notwendigen Nähr- und Ballaststoffen, sowie Vitaminen und Mineralien gewährleisten. Die beste Nahrung für ein Frettchen heißt: Maus. Da ich keinen Platz für eine Mäusezucht hatte, gab ich die Frettchenhaltung auf.
Für einen nahen Verwandten des Frettchens, den Schwarzfußiltis war das Ende auf unserem Planeten absehbar. Amerikanisches Beef hätte ihm beinahe den Garaus gemacht, nicht weil er es gefressen hätte, sondern, weil das was er fressen wollte, von der Landwirtschaft verdrängt wurde: Der Präriehund.
Wer einmal Schwarzfußiltis hat miteinander rumtoben sehen2, kann nicht zulassen, dass solche Szenerien von der Erde verschwinden und so wurde das Richtige getan: Überführung der letzten Individuen in Gefangenschaft, Zucht unter geschützten Bedingungen, Stabilisierung der Population, Wiederansiedlung im Freiland. Das ist es, was Menschen mit bedrohten Tierarten machen sollten!
Jeder, der darin irgendwie involviert ist, ist ein Held!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.03.2014



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1Umgeben von Stinktieren, S. 67-74
2Die Rettung des Baiji, S. 100-102