Was uns fehlt

Immer mehr Menschen pflegen, vermutlich weil sie zu viel Zeit vor dem Computer und zu wenig von derselben im Wald verbringen, immer krudere Ansichten zu den Zusammenhängen im Naturkreislauf und unserer Rolle darin.
Ich fürchte mittlerweile, dass das Einzige, was Hardcorenaturromantiker zur Räson rufen kann, Tiere sind, die in der Lage sind, Menschen zu töten. Und zwar unmittelbar! Ich meine damit nicht Pferde oder Hunde, die sind zu domestiziert. Auch keine Bienen oder Wespen, die nur über den Umweg eines allergischen Schocks töten können. Nein, ich meine Lebewesen, wie sie in Australien voll des tödlichen Giftes herumkreuchen, vor Südafrikas Küsten mit messerscharfen Zähnen im Meer herumschwimmen, am Amazonasregenwald auf Pranken umherschleichen, in denen sich Dolche verbergen oder in der Arktis auf Tatzen wandeln, die Robbenschädel wie Wassermelonen zerplatzen lassen können.
Davon gibt es in Deutschland so wenige.
Wenn ein Facebooker ausnahmsweise mal zuerst seine sitzende Position und dann auch noch die vier Betonwände verlässt, in denen ihm im schlimmsten Falle Hausstaubmilden ein todbringendes Asthma bescheren können, stößt er im Freiland auf keine wilden, nichtmenschlichen Tiere, die ihm den Garaus machen könnten. Das führt zu Bequemlichkeit, insbesondere im Denken. Die Welt erscheint als sicherer Ort – selbst die Kreuzotter kann nur Herzkranke und Immunschwache killen und auch der zurückgekehrte Wolf weigert sich beharrlich Menschen umzubringen.
Bleibt uns, Hoffnungen in Bären zu setzen oder darauf zu setzen, dass der Klimawandel so erfolgreich sein möge, dass es die Giftviecher aus dem Süden auch bei uns schön finden.
Morgens in seine Schuhe schauen zu müssen, ob da jemand drin sitzt, der einem nach dem Leben trachtet, kann sehr heilsam sein!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 01.04.2014