Von Schildkröten, Tigern und Vielen, sowie auch Vielem mehr

Im Tiergarten-Magazin sind in schöner Regelmäßigkeit wirklich kluge Artikel von echten Experten zu lesen. Nicht selten kommen sie aus Nürnberg.1
Wenn es um den Import von Wildtieren geht, stehen wir vor dem selben Dilemma, wie in den meisten anderen Gesellschaftsfeldern: Wir haben Gesetze die völlig ausreichen – nur am Vollzug hapert es und wenn es dann auffällt, dass es hapert, wird nicht etwa der Vollzug bestehender Gesetze verbessert, es werden einfach mal die Gesetze verschärft.
Wir hätten zum Beispiel all diese unwissenschaftlichen Hundeverordnungen nicht gebraucht. In Berlin haben wir das ASOG, das Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsgesetz, das bietet ausreichend Grundlagen zur Gefahrenabwehr jedweder Couleur. Da nun aber irgendwo in dieser schönen Republik bei der Gefahrenabwehr geschlampt wurde, weil die Behörden im Vollzug Idioten am oberen Ende der Leine nicht ihrerseits an die kurze Leine gelegt haben, nahm man einfach mal ein paar Millionen Bundesbürger mit der Einführung überflüssiger Gesetze und Verordnungen in Sippenhaft.
Derzeit wird häufig über Haltungs- und Importverbote von Wildtieren gesprochen. Auch hier sollen volljährige, voll geschäftsfähige Menschen wieder einmal ans Gängelband genommen werden, nur weil es am Vollzug bestehender Gesetze mangelt.
Die Schlussfolgerung von Dag Encke, dass wir mit der Verhinderung fachgerechter Tierimporte, wie z.B. dem von asiatischen Schildkröten, das Aussterben dieser Arten zementieren werden, ist nur allzu schlüssig. So wird vermeintlicher Tierschutz zu aktiver Beteiligung an der Ausrottung!

Der Inhalt eines weiteren klugen Artikels2 aus dem Tiergarten-Magazin, der ja nun mal leider kein Massenblatt ist, hat es ins Fernsehen geschafft, die ARD berichtet unter dem Titel `Die "Problem-Tiger" vom Kölner Zoo`3 wohltuend sachlich über die Schwierigkeiten, die sich ergeben können, wenn man mit Menschen und Tieren arbeitet. Sind die betreffenden Tiere dann noch akut von der Ausrottung bedrohte, nicht gerade kleine Katzen, dann hat man halt gelegentlich auch größere Probleme.4
Sich dadurch davon abhalten zu lassen, eine Tierart vor dem Verschwinden von unserem Planeten zu bewahren, wäre eine schwerwiegende Unterlassungssünde gegenüber dem, was wir Weltnaturerbe oder Schöpfung nennen mögen.

Frohe Ostern
Carsten SchöneBerlin, den 15.04.2014



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1 Wildtiere in Menschenhand – ein wichtiger Mosaikstein im Artenschutz, D. Encke, Tiergarten 2/2014, S. 20-27
2 Der Sibirische Tiger im Zoo – Sein Zuchtmanagement in modernen Zoos und seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, A. Sliwa, Tiergarten 2/2014, S. 5-11
3 http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/tiger-118.html
4 Ein aus einem Gehege entweichender Gepard gehört dabei, entgegen dem, was Krakeeler daraus machen wollen, zu den eher kleinen Problemen.