Baumbrütende Wanderfalken

Als Großstädter verfällt man gelegentlich der Ansicht, dass Wanderfalken grundsätzlich und schon immer auf Kirchtürmen brüten und brüteten. Natürlich weiß man aber, wenn man weiterdenkt, und überhaupt weiß, dass es Vögel mit diesem Namen gibt, dass der Kirchturm in dem Falle nur ein Felssurrogat ist.
Nun habe ich in diesem Sommer bei Wanderungen durch die schönen Landschaften des Landes Brandenburg gelernt: Es gibt auch baumbrütende Wanderfalken.
Und das Beste daran ist, sie wären Mitte der 1970er Jahre beinahe für immer vom Erdboden …, also nein …, eher aus luftigen Höhen verschwunden.
Jetzt fragen Sie sich was daran gut sein soll?
Nichts.
Nach heutigen Erkenntnissen hat DDT die Wanderfalkenpopulationen grundlegend dezimiert und auch den letzten verbliebenden baumbrütenden Wanderfalken, die es früher von den Niederlanden bis zum Ural gegeben hat, in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg den Garaus gemacht.
Als vogelkundige Menschen diesen Umstand bemerkten, fanden sie sich nicht damit ab und setzten alles daran, dass es auch künftig wieder baumbrütende Wanderfalken geben möge.
Da man nicht so genau wusste, ob das Brüten auf Bäumen genetisch vererbt oder erlernt war, griff man auf in Gefangenschaft lebende Nachkommen baumbrütender Vögel zurück und wilderte diese als Jungvögel in Baumnestern aus.
Heute wissen wir, das man auch die Nachkommen felsbrütender Tiere zum Baumbrüten „erziehen“ kann, aber auch dabei ist es gut, auf Nachzuchten aus Volieren zurückgreifen zu können, um die Tiere mit kontrollierter Gesundheit und im richtigen Alter ins Freiland zu bringen.
Dank Gefangenschaftszucht und Auswilderung gibt es heute wieder baumbrütende Wanderfalken in Deutschland! Wer das nicht gut findet, ist ignorant und einfältig, weil er kein Freund biologischer Vielfalt ist, die das Leben auf dieser Erde zusammenhält und es für denkende Menschen mit ästhetischem Gespür auch erst richtig lebenswert macht.

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 01.09.2014