Berliner Großkatzen

Es gibt Zoodirektoren, die nicht in der Lage sind, in ihrer Position als Geschäftsführer selbst oder aus dem eigenen Haus heraus, tragfähige Konzeptionen für eine zukunftsfähige Gestaltung ihrer Einrichtung zu entwickeln und sich stattdessen für teuer Geld Konzepte windiger, externer Anbieter einkaufen müssen. Das halte ich für ein Armutszeugnis und für den Beweis, dass in solchen Fällen die Amtsinhaber den Punkt ihrer persönlichen Unfähigkeit erreicht oder schon lange überschritten haben1.

Aus Berlin kommen jetzt endlich erste Pläne, die eine positive Weiterentwicklung erhoffen lassen. Längst überfällig ist die teilweise Verfüllung der Gräben der beiden Großkatzenbühnen im Alfred-Brehm-Haus, um hier zwei wirklich vernünftige Innenanlagen einzurichten. Komplett zuschütten und einfach Glas vorknallen, wäre dabei aber ein bisschen zu kurz gehüpft. Ein vernünftig dimensioniertes Wasserbecken für Tiger sollte auch künftig drin sein und die Glaseinblicke ließen sich auch in natürliche oder naturidentische Rahmen stecken, so der Denkmalschutz da mitspielt.

Nun wird auch das Versäumnis, nach der 10 Mio. Euro teuren, energetischen Sanierung des Glashauses im Zentrum des Hauses, nicht gleich eine vernünftige Tropenhalle daraus gemacht zu haben, aus der Welt geschaffen. Eine Ausrichtung des ganzen Hauses in Richtung Südostasienhaus ist aus artenschützerischer und zoopädagogischer Sicht höchst sinnvoll und begrüßenswert und wenn ein Wasserfall für unsere Spaßgesellschaftszoobesucher nötig ist, um sie länger im Haus zu halten, dann immer rein damit! Krokodile und Komodowarane sind allerdings mindestens eine große Echse zu viel, sowohl platztechnisch als auch präsentatorisch. Eine konsequente Besetzung à la Masoala auf südostasiatisch mit ausschließlich „Freigängern“ aus allen Klassen der Wirbeltiere wäre hier viel reizvoller.

Alles andere, was als erste Feuerwehrmaßnahmen eingeleitet werden soll, betrifft zunächst weniger die Tierhaltung, als die Infrastruktur, aber dagegen ist nichts einzuwenden, weil der Schandfleck Großkatzenhaltung als erstes angegangen wird. Die Tatsache, dass dort, wo jetzt noch die unsäglichen Multifunktionskleinraubtiervolieren stehen, auf dem Plan für den Umbau „Neues Bärengehe“ zu lesen ist, lässt zwar befürchten, dass auch im Tierpark Berlin der Kleinraubtierexodus bevorsteht, weckt andererseits aber die Hoffnung, dass die Malaienbären endlich aus ihrem Kabuff rauskommen.
Für Kleinraubtiere sollten sich mal die Leute von der IGAR wieder ein bisschen mehr ins Zeug legen - von denen hört man ja gar nichts mehr!

Die andere ganz dringende Baustelle Elefanten-Innenhaltung wäre als Feuerwehrmaßnahme zu teuer geworden, hier heißt es zu Recht, sich ein wenig in Geduld üben. Die Haltung von Huftieren ist in Friedrichsfelde schon längere Zeit ausreichend tiergerecht, nur halt scheiße-langweilig aber auch dahingehend soll es schon erste Umsetzungen und schönheitschirurgische Sofortmaßnahmen gegeben haben.
Dass man mit einem bisschen Phantasie und gar nicht so wahnsinnig viel Geld aus dem Tierpark Berlin einen wirklich schönen Park machen kann, sollte nicht länger verwundern. Die geradezu zwangsneurotische Pflicht neuer Chefs, neue Logos zu kreieren, tut nur dann weh, wenn man dafür eine Werbeagentur bucht.

Es tut sich also etwas in Berlin, das darf sich allerdings nicht auf den, von meiner derzeitigen Position aus gesehen, recht weit entfernten Osten der großen Stadt beschränken - auch in der City-West sitzen Großkatzen in grauseligen Gitterkäfigen.

Aber das Beste zum Schluss: Eine Frau Hämmerling findet es mittlerweile in Ordnung, wenn man Zootiere erschießt.
Dem Chaco-Pekari sei Dank!2

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 01.10.2014



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1Frei nach Laurence J. Peter und Raymond Hull: Das Peter-Prinzip oder die Hierarchie der Unfähigen, Reinbeck, 2012
2Ein wirklich gutes Zootier übrigens.

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Quellen: