Von toten Tigern und lebenden Delfinen

Soll Münster sich einen Zoodirektor an Bord holen, der Tiger im Rahmen des Populationsmanagements hat einschläfern lassen? Nun, wenn man in Münster diese Ansichten zur Arterhaltung teilt, spricht überhaupt nichts dagegen.
Ich persönlich finde es schwierig, gesunde Tiere, die sich schlecht verfüttern lassen, zu töten - da fehlt mir der Kreislaufgedanke. In der Natur hat jeder Tod seinen Sinn und wenn sich am Ende nur die Fliegenmaden freuen. Nun habe ich aus der ganzen Berichterstattung nicht herauslesen können, dass der Magdeburger Zoo damals beabsichtigte, die Tiger an seine Geier zu verfüttern, was daran liegen könnte, dass Magdeburg, zumindest laut der eigenen Bestandsliste (http://www.zoo-magdeburg.de/zoo-tiere/unsere-tiere.html), keine Geier hält, was ein echtes Versäumnis wäre, angesichts der Geierkrise … aber darum soll es hier nicht gehen. Wie ich bereits am 01.07.2010 schrieb, bin ich mir auch „nicht ganz sicher, ob Rothunde Tigerjungtiere nur töten oder auch verspeisen.“ Aber soweit ich weiß, ist über die rothundgerechte Zubereitung von gut abgehangenem Tigersteak auch nie öffentlich gesprochen worden.
Wenn der Wechsel von Kai Perret nach Münster bedeuten würde, dass der Tierbestand des Allwetterzoos endlich die vielfältigen Artenschutzbemühungen außerhalb der, in den letzten Jahren angenehm geschwundenen Betonmauern ergänzen würde, dann hätte er sich gelohnt.
Ein Schelm übrigens, wer glaubt, man würde zwischen Magdeburg und Münster einfach nur einen Zoodirektoren gegen acht Schimpansen tauschen...
Was mich in letzter Zeit ein wenig stört, ist das Stellenkarussell, das mittlerweile Züge der „Reise nach Jerusalem“ annimmt. Dass neuerdings Zoodirektoren Zoos, in denen man sie in Verantwortung geholt hat, mitten in Entwicklungsprozessen, die sie selbst angestoßen haben, wieder verlassen, nur weil sie es woanders vermeintlich noch schöner haben könnten, stößt mir sauer auf. Ob Kienbaums in dem Zusammenhang wirklich gute Berater sind, ist höchst fraglich. Wirklich mutige Personalentscheidungen sind jedenfalls in jüngerer Zeit eher nicht getroffen worden. München sticht mit der Berufung von Rasem Baban ein wenig heraus, weil hier jemand aus der zweiten Reihe, der eigentlich aus dem technisch-architektonischen Bereich kommt, die Chance erhalten hat, in die erste Reihe aufzusteigen - ohne das Mammutprojekt (und ich benutze hier bewusst eine nicht mehr existierende Tierart) Gondwana wäre aber auch diese Personalie wohl so nicht entschieden worden.
Woran liegt es, dass keine neuen Führungskräfte aus dem Nachwuchs heraus rekrutiert werden? Ist der zu dämlich? Sind die Personaldienstleister schuld, weil sie keine Ahnung haben und nach Zwanzigjährigen mit dreißig Jahren Berufserfahrung suchen? Und muss man wirklich Angst vor Quereinsteigern haben? Schon die ausschließliche Besetzung von Zoodirektorenposten aus den engsten Zookadern, wie sie früher üblich war, war problematisch. Das Posten- und Städtehopping heutiger Direktoren hat einen Ruch von Egozentrismus, der nicht zu ihren Aufgaben passt. Diese Aufgaben beziehen sich ja nicht nur auf die Biologie, in der vielleicht die egoistischen Gene das Sagen haben, sie beziehen sich auf Kommunen und deren Bewohner und sie beziehen sich massiv auf ganz wichtige Menschen: die Mitarbeiter.
Den Mitarbeitern des Nürnberger Zoos ist zu wünschen, dass ihnen die Führungsriege trotz aller irrationalen Anfeindungen von Flipperfreunden nicht abhanden kommt, gleiches gilt für Duisburg. Delfine sind ganz normale, ziemlich genegozentrisch agierende Tiere. Mensch hat zumindest theoretisch das Potential, das nicht zu sein!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 01.11.2014



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Quellen: