Panda

Eine Sonderausstellung im Naturkundemuseum befeuert die Frage nach einer erneuten Pandahaltung in Berlin.
Die letzten beiden Pandas des Berliner Zoos werden dort als Dermoplastiken präsentiert, um als Aufhänger für eine wissenschaftliche Aufarbeitung dessen zu dienen, wofür der Panda in unserer heutigen Zeit steht.
Vier Organisationen haben für diese Ausstellung einen Schulterschluss vollzogen: Das Museum für Naturkunde, der Berliner Zoo, das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und der WWF. Das darf schon mal Schule machen, durften wir doch gerade in einer Dokumentation des RBB erfahren, dass das IZW in der jüngeren Vergangenheit bestimmte Forschungsgebiete in Australien beackern musste, weil an eine Zusammenarbeit mit Zoo und Tierpark unter der ehemaligen Führung nicht zu denken war. In Bezug auf Pandas sollte dringend daran gearbeitet werden, dass eines der Spezialgebiete des IZW, die künstliche Befruchtung nicht mehr gebraucht wird, weil es den Pandas ermöglicht wird, im Natursprung Nachwuchs zu zeugen - hinsichtlich dieses wünschenswerten Ziels ist es natürlich völlig schwachsinnig Pandapärchen durch die Weltgeschichte zu kutschieren.
Nach Ende der Sonderausstellung soll das, was aussieht, wie einst Yan Yan, den Chinesen übergeben werden - die Rückkehr der sterblichen Überreste des Pandas nach China war Teil des Überlassungsvertrages, ist aber bis heute nicht vollzogen worden, nun wird also eine mit Fell überzogene Plastikfigur nach China geschickt. Wenn das denn vertragsgemäß ist…
Zeitgleich, erfahren wir aber, sind Chinesen in Berlin, um von den Präparatoren des Naturkundemuseums, die einen guten Ruf haben, zu lernen, wie man ein totes Tier präpariert. Das ist natürlich ein Wissenstransfer, der Fragen nach weiteren Transfers auslöst.
Eine Frage, die sich beim Betrachten von mit Fell überzogenen Plastikskulpturen ergibt, ist die, ob das Plastinieren von Menschen die Angleichung der Rechte von Mensch und Tier befeuert und wenn ja, in welche Richtung.
Der neue Zoodirektor wird jedenfalls mit den Worten zitiert; „Pandas gehören nach Berlin, auch lebendige.“ Dass Pandas in der Lage sind, Menschen in Mengen für sich einzunehmen, kann als Hauptargument für ihre Haltung gesehen werden, bleibt aber diskutierenswert, insbesondere angesichts des begrenzten Platzes in den sogenannten Archen, die zum heutigen Zeitpunkt beinahe alle nur zu einem Bruchteil ihres Platzes dem Archeprinzip gerecht werden.
Wenn denn Pandas kämen, so wurde in ebenfalls sehr junger Vergangenheit betont, dann kämen sie wieder in den Zoo. Zoofreaks diskutieren jetzt, ob es nicht sinnvoller wäre, die Pandas nach Friedrichsfelde zu schicken, wenn sie denn kämen, man wolle ja schließlich mehr Besucher in den Tierpark holen.
Auch wenn der Zoo Berlin derzeit wirtschaftlich ganz gut dasteht, ist er alles andere, als ein Selbstläufer, er profitiert noch heute von altem Glanz und von ehemals gehaltenen Publikumslieblingen - Pandas und Knuts z.B. - das wird nicht ewig vorhalten. Der Platz im Zoo ist begrenzt und Altlasten, wie das Raubtierhaus, sowie Neulasten, wie das Vogelhaus lasten schwer auf künftiger Beliebtheit des Zoos. Pandas im Zoo wären die Grundabsicherung der Beliebtheit des Zoos bei Touristen, die Touristen befinden sich ohnehin in der City West, sie nach Friedrichsfelde zu holen, wäre nochmal eine ganz andere Herausforderung, da müssten sie nämlich gezielt hinfahren.
Ich finde es ist viel logischer, den Tierpark zum Lieblingszoo der Berliner zu machen und sich die Touristen vor verschnarchten, weil verdauenden, vegetarischen Raubtieren drängeln zu lassen.
Damit wäre auch die Chance größer, Arten, die jetzt noch als unerlässlicher Besatz für einen Zoo gelten, aus dem innerstädtischen Zoo komplett rauszunehmen und so den vorhandenen Platz in beiden Einrichtungen möglichst perfekt zu nutzen.

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.01.2015



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