Pfusch am Bau

Private und kommunale Bauherren haben regelmäßig mit Baumängeln zu tun. Die Gründe hierfür kennen diejenigen, die in der Baubranche tätig sind am besten. Was die Angehörigen dieser Branche auch wissen, ist, dass es grundsätzlich einfacher ist, einem kommunalen Bauträger Pfusch unterzujubeln, als einem privaten.
Handelt es sich um einen Flughafen, bleiben die Folgen, solange nicht geflogen wird, zunächst finanzieller Natur. Handelt es sich um Arbeitsstätten öffentlicher Arbeitgeber, müssen die Arbeitnehmer die Probleme ausbaden. Handelt es sich um Bauten für Tiere, sollte man davon ausgehen, dass diejenigen die solche Bauten planen, entweder selbst über das nötige Wissen über die künftigen Bewohner verfügen oder aber vom Bauherren extrem gut beraten werden. Fehler können hier schnell fatale Folgen haben, wie man jetzt am neuen Menschenaffenhaus der Stuttgarter Wilhelma sehen kann.
Vom Stil her ziemlich retro ist es nicht in der Lage, meinen ästhetischen Ansprüchen zu genügen, was aber egal ist, solange die Tierhaltung darin ordentlich funktioniert. Die Wilhelma hat ihre Expertenschaft in Sachen Menschenaffenhaltung in der Vergangenheit aufs Eindrücklichste bewiesen. Nun muss man leider feststellen, dass Millionenbeträge in die Hand zu nehmen, nicht ausreicht, um neueste Erkenntnisse in der Tierhaltung in die Praxis zu überführen und wenn in einem solch teuren Neubau Zugluft Bonobos das Leben kostet, dann haben hier die Planer, der Bauherr und die Bauaufsicht gemeinsam versagt und es ist Geld verschleudert worden.
Daraus nun zu folgern, man könne Menschenaffen grundsätzlich nicht anständig hinter Glas, Gittern oder Gräben halten, ist vor dem Hintergrund der bisherigen Stuttgarter Expertenschaft in Sachen Menschenaffenhaltung allerdings ziemlich billig.
Solange uns der Bonobo nicht glaubhaft versichert, dass er es besser fände, in fragmentierten Relikten von Wäldern zu leben, in denen er befürchten muss, das Menschen ihn über den Haufen ballern, um aus seinem Kopf Bonobohirnsuppe zu kochen, gibt es keinen Grund, aufzuhören, Bonobos in sicheren Refugien zu vermehren.

Carsten SchöneBerlin, den 01.02.2015



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