Lost in time, and lost in space - and meaning*

Im Zoo der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover zieht die Vernunft ein.
Wie wohltuend!
Man wird genau dort bauen, wo im Bestand befindliche Tiere es nötig haben, man wird gegebenenfalls auf die eine Art zunächst verzichten, andererseits eine andere Traditionsart vielleicht wieder zurückholen, in jedem Fall sieht es so aus, als wolle man Fehler, die in der Vergangenheit gemacht wurden, ausbügeln.
Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Elefantenhaltung. So erfolgreich die Zucht in Hannover auch laufen mag, die Elefantenanlage ist ein unrühmliches Beispiel für das Motto: „Wir täuschen Weite vor, wo keine ist, damit der Besucher denkt, die Tiere haben's schön.“
Nun sieht die aktuelle Planung vor, die Elefantenhaltung auf ein Level zu heben, wo sie bei Bau des „Dschungelpalastes“ längst hätte sein können, wenn man denn zu diesem Zeitpunkt mehr auf innovative Tierhaltung, statt auf nie dagewesene Kulisse gesetzt hätte.
Die Tiger, die dasselbe Problem haben, werden allerdings, wie es aussieht, von den neuen Plänen nicht profitieren.
Ein Stück weiter westlich, im selben Bundesland, setzt man neuerdings auch verstärkt auf Kulisse und deshalb erscheint dort wohl die Errichtung eines Nordamerika-Parkteils höchst verlockend.
Ein paar Tipis, ein Fort und eine Westernfassade (Legoland, Yukon Bay und Gelsenkirchener Alaska lassen möglicherweise grüßen) und schon wähnen wir uns im Norden der Vereinigten Staaten.
Das ist irgendwie billig.
Zum einen von der Unterbringung der Tiere her, die vertragen unser Klima alle hervorragend und brauchen daher keine kostspieligen und energieaufwendigen Unterkünfte, zum anderen hinsichtlich des zu erreichenden Schauwertes, denn Schwarzbären in wechselnder Vergesellschaftung mit Bisons und Polarfüchsen machen schon was her und es handelt sich dabei um durchaus kreativ zusammengeklaute Ideen, besonders aber im Hinblick auf die Aufgaben der zoologischen Gärten im Jahre 2015: Die USA haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie ganz gut in der Lage sind, ihr heimisches Wildlife allein zu managen, es gibt wenige nordamerikanische Tierarten, die die Unterbringung in europäischen Gehegen bräuchten, um gelassen in die Zukunft zu schauen.
So sieht es also in Osnabrück ganz danach aus, als wolle man dort wertvollen Platz verschenken, den man für die Haltung akut bestandsbedrohter Tierarten anderer Erdteile hätte nützen können.

Carsten SchöneBerlin, den 01.03.2015



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*The Rocky Horror Picture Show, Richard O'Brien und Jim Sharman, 1975

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Quellen: