Halle

Es ist schön, wenn sich Kommunalpolitiker Gedanken um den Zoo ihrer Kommune machen.
Wenn daraus das Fließen von Finanzen resultiert, ist es umso schöner.
Wenn das Kümmern aber überhandnimmt, dann kann das auch kontraproduktiv werden.

Bevor ich dazu komme, weshalb das so sein kann, muss ich zunächst einen kleinen Gedanken- und Zeitsprung machen:
Im Jahre 2005, anlässlich des Tierpfleger-Zoopädagogen-Treffens in Halle, stellte mir der Direktor des Zoo Halle, Andreas Jacob, die Frage, warum ich meine Energien und (eventuell vorhandene*) Kompetenzen nicht einem renommierten Zoo zur Verfügung stelle und stattdessen in das Projekt RaubtierPark investiere.
Meine Antwort lautete: „Es gibt nur wenige bestehende Zoos, die ich gerne leiten würde.“
Seitdem gab es eine Reihe von Stellenausschreibungen für Leitungsfunktionen in deutschen tiergärtnerischen Einrichtungen und wenn wir jetzt mal meine persönliche Arroganz bezüglich der Unlust auf zweite Reihe und die Kienbaumuntauglichkeit meines Lebenslaufes außen vor lassen, dann bleibt zehn Jahre später für mich weiterhin zu konstatieren: "Es gibt nur wenige bestehende Zoos, die ich gerne leiten würde.“
Und tatsächlich gibt es nur zwei tiergärtnerische Einrichtungen in denen ich mich seitdem beworben habe. Das sind: der Tiergarten Ulm und der Zoo Schwerin.
Warum gerade die beiden?
Nun, sie sind keine klassischen Zoos. Sie fallen ein wenig aus dem Raster. Sie haben strukturelle Probleme in Kombination mit schlummerndem Potential und das Wichtigste: Veränderungen wären mit einfachen Mitteln, auch ohne Millionen von Euro zu vollziehen. Es gibt auch noch andere Einrichtungen von diesem Kaliber, gar keine Frage, aber die umweltpädagogisch logische Umstellung auf ein schlüssiges Gesamtkonzept jenseits von „einfach nur Tierhaltung“ wäre hier zügig und umfassend vollziehbar gewesen, insbesondere auch unter Einbeziehung regionaler Besonderheiten (ich werde hier nicht ins Detail gehen, meine Idee, neigen, wie sie vielleicht wissen, zum geklaut werden) womit man dem heiligen Gral der „Tiergartengestaltung“, dem Alleinstellungsmerkmal, relativ nahe hätte kommen können.
Wäre der Tierpark Berlin allein, ohne Zoo, ausgeschrieben worden, hätte mich auch dessen Leitung, ohne, das ich jedwede Chance auf ein Vorstellungsgespräch gehabt hätte, gereizt und vor kurzem habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, mich in Halle zu bewerben.

Dort passieren allerdings wunderliche Dinge. Während noch auf der Homepage des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ) e.V., der immer noch unter www.zoodirektoren.de firmiert, der jetzige Direktor mit einer Stellenausschreibung einen Nachfolger suchte, geisterten durch die Presse Artikel, denen man entnehmen konnte, dass sich der Oberbürgermeister der Stadt Halle zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Zoologischer Garten Halle GmbH hat machen lassen und dass ein Referent des Oberbürgermeisters, ein Diplombiologe, neuer Direktor werden könnte. Das wirft drei Fragen auf: Warum hat der OB einen Referenten, der Biologe ist (Weil der sich mit Schimmeln, Schädlingen und Sümpfen auskennt?). Warum gibt es eine Stellenausschreibung, wenn bereits öffentlich mit Namen jongliert wird und warum ist Anfang Februar schon klar, dass man am exakt am 25. April einen neuen Direktor haben wird?
Hernach wird vom Oberbürgermeister noch ein Ideenwettbewerb für die Neukonzeptionierung des Zoos ausgelobt und bevor der zur Auswertung kommt, werden gleich noch eigene unausgegorene Ideen (Seilbahn) in den Raum geworfen.
Da möchte ich nicht Geschäftsführer werden, denn es sieht ganz danach aus, als suche man in Halle keinen Direktor, sondern eine Marionette.

Carsten SchöneBerlin, den 15.03.2015



____________

*Ergänzende Anmerkung des Autors.

____________

Quellen: