Vor die Hunde gehen

In meiner schönen Heimatstadt tobt eine Schlacht, eine Schlacht um Erholungsflächen, die sich (Achtung, erwartbare Spitzfindigkeit) am Schlachtensee befinden. Diese Schlacht um den Schlachtensee bräuchte es nicht geben, wenn sich alle Beteiligten an bestehende Regeln halten würden.
In unserer manchmal eher modernd anmutenden, modernen Gesellschaft braucht es für gedeihliches Miteinander ab und an die Schriftform, deshalb gibt es Gesetze.
Das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch ist sogar ein Exportschlager, so gut fand man es auch außerhalb Deutschlands. Deutsche sind also gut darin, Gesetze zu basteln. Sich daran zu halten, ist dann wiederum eine ganz andere Sache. Ich bin durchaus bekennender Vertreter des Mottos: Regeln sind zum Brechen da, was allerdings nicht meint, das sie generell zum Kotzen sind, man sollte halt tunlichst darauf achten, dass das eigene Verhalten niemanden anderes belästigt. Die Probleme am Schlachtensee generieren sich aus dem unterschiedlichen Freizeitverhalten der Hauptstädter. Da wo der eine joggen will, will der andere Fahrradfahren, da wo der eine mit Badehose baden geht, will der andere es lieber ohne tun und ein dritter möchte seinen Hund mitnehmen. Bisher war die eine Seite des Schlachtensees Teil des wirklich großen Hundeauslaufgebietes im Grunewald. Auf der anderen Seite herrschte, wie grundsätzlich in jeder öffentlichen Berliner Grünanlage: Leinenpflicht. Nun gibt es Hundehalter, die haben davon keine Ahnung, weil sie sich vor Anschaffung eines Hundes keinerlei Informationen beschafft haben, weder was die Pflichten angeht, noch was das Verhalten eines solchen Lebewesens angeht. Es soll Menschen geben, die schaffen sich nach demselben Muster auch eigenen Nachwuchs an, doch bleiben wir bei den Hundehaltern. Die, die ihren Hund außerhalb des Hundeauslaufgebietes auch ohne Leine laufen lassen, entgegnen auf Aufforderungen des Ordnungsamtes, ihren Hund anzuleinen mit der klugen Antwort: „Wieso, hier steht doch nirgendwo ein Schild, dass ich das tun muss!“ Tja, Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Dass Ohne-Leine-laufen-lassen-dürfen, in Grünanlagen ist eine Ausnahme, ein Privileg geradezu. Im Hundegesetz der Stadt Berlin steht klipp und klar, dass Hunde in öffentlichen Grünanlagen an einer maximal zwei Meter langen Leine geführt werden müssen. Da braucht man keine Schilder! An der Ampel steht auch nicht „Hier gilt Ampelbeachtungspflicht“. Das zu Wissen, ist Bürgerpflicht.
Jetzt geht es aber noch weiter, im Hundegesetz steht auch noch, dass die Mitnahme von Hunden an ausgewiesene Badestellen komplett verboten ist.
Nun sind einige Hundehalter natürlich dämlich genug, ihre Vierbeiner auch dort munter zwischen plantschenden Kindern herumpaddeln zu lassen.
Ich bin, wie Sie wissen, selbst Hundehalter und dennoch finde ich es absolut nicht reizvoll, wenn ich im Sand am Seeufer sitze und neben mir beschließt ein Neufundländer das Wasser aus seinem Fell zu schütteln, das vermengt ist, mit demselben Sand, in dem ich sitze. Da folgt Zähneknirschen.
Völlig unabhängig von solchen persönlichen Befindlichkeiten ist die Gesetzeslage klar und wenn sich jeder daran gehalten hätte, dann gäbe es jetzt nicht die Bestrebung, den gesamten See mit einem Hundemitnahmeverbot zu belegen. Man muss ganz klar sagen: Hier haben Hundehalter dafür gesorgt, dass Hundehaltern das Leben schwerer gemacht wird, als nötig.
Das kotzt mich an!

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.04.2015



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