ZEP und Zirkus

Der Ziel- und Entwicklungsplan für den Tierpark Berlin liegt vor, ich hätte dazu eine ganze Menge Anmerkungen, aber ich werde sie hier an dieser Stelle nicht veröffentlichen. Ich möchte keinesfalls die Berliner Politiker in ihrer Entscheidung, ob und wieviel Geld sie dem Tierpark aus künftigen Haushalten zur Verfügung stellen, beeinflussen.

Wenn Zoodirektoren Zirkustierhaltung kritisieren, schießen sie gerne mal übers Ziel hinaus, ich persönlich brauche keinen Zirkus, aber die Aussage, dass Wildtiere grundsätzlich nicht in den Zirkus gehörten, ist Populismus, der dem, mit dem Zoos von Extremisten überzogen werden, in nichts nachsteht. Allein die Grenzziehung zwischen Wildtieren und domestizierten Tieren ist in keiner Weise sauber möglich. Sind freilebende Frettchen in Neuseeland noch Haustiere? Sind Weiße Tiger in Gefangenschaft noch Wildtiere?
Wenn ein Zirkusmitarbeiter eine aus dem Nest gefallene Krähe (gerne Corvus cornix, wie sie in meiner schönen Heimatstadt, der mindestens zwei schöne Zoos in der Tat zu gönnen sind, vorkommt.) aufzieht, ihr dann allerhand neckische Kunststücke beibringt und die dem geneigten Publikum präsentieren möchte, dann soll es dem wirklich verboten sein, mit seiner Krähe in seinem Zirkus aufzutreten? Denken wir an die didaktisch teilweise durchaus wertvollen Flugshows, die derzeit in Zoologischen Gärten sehr populär sind - wo ist da der Unterschied? Die Teilnehmer an diesen Flugshows sind in der Regel: Wildtiere, und ja, sie sitzen vorher und nachher in einer Voliere - warum auch nicht, das Gute für die teilnehmenden Individuen ist, dass sie aus der Voliere, in der sie sonst leben und die für eine artgerechte Haltung völlig ausreichend wäre, ab und an mal rauskommen. Das bereichert ihr Leben und Ihres auch, wenn Sie daran Spaß haben, einem Seriema beim „Töten“ einer Gummischlange zuzusehen.

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 15.06.2015



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Quellen: