Noch mehr vor die Hunde gehen

In Berlin hat ein Polizist einen Hund erschossen.
Berlin hat bislang ein relativ liberales Hundehaltergesetz, bei dem es jedem Hundehalter erlaubt ist, seinen Hund im öffentlichen Straßenland ohne Leine laufen zu lassen. Es gibt klar definierte Ausnahmen, die betreffen z.B. Grünanlagen, Waldflächen, öffentliche Versammlungen und Fußgängerzonen.
Die Hundeauslaufgebiete, die es zusätzlich in öffentlichen Grünanlagen gibt, sind größtenteils bescheiden, das gilt für das, was man dort als sogenannte Spielplätze für Menschenkinder bereithält ganz genauso. Nun hat Berlin nach wie vor eine Menge Niemandsland: Brachflächen, unbebaute Flächen an Wasserstraßen und Bahntrassen, es gibt eine Menge Möglichkeiten, seinen Hund zu bespaßen, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Ein Verstoß gegen die Leinenpflicht ist, dort wo sie vom Gesetz gefordert wird, eine Ordnungswidrigkeit und kostet ca. 30 €. Das interessiert aber niemanden, angeblich haben die Ordnungsämter nicht genügend Personal. Gehen Sie in einen Berliner Park (jeder Berliner Park ist eine geschützte Grünanlage) und schauen sie sich um. Das Gesetz ist das Papier nicht wert, auf dem Sie es von dem Link auf untenstehender Website ausdrucken können. Das macht aber auch keiner, die meisten Hundehalter wissen nicht einmal, dass es dieses Gesetz gibt. Ihre Hunde (domestiziert zwar, aber dennoch Raubtiere) jagen munter hinter Bälle her, die Kleinkinder tollpatschig durch die Gegend schießen.
Was für ein paradiesischer Zustand, könnt man denken, aber es gibt in dieser Stadt Menschen, die möchten kein Hundeflüsterer sein. Wenn dann ein Ordnungshüter die Einhaltung des Gesetzes fordert, dann wundert man sich in Berlin zunächst, dass so etwas überhaupt passiert. Ob der Polizist, der hier schoss, die Kompetenz besaß, zwischen Kontaktaufnahme und Angriff seitens eines Caniden zu unterscheiden, darf bezweifelt werden, die Berliner Polizei stellt neuerdings 39 Jährige ein, die sie dann mit 45 in den Vorruhestand verabschiedet, dennoch gibt es hier einen, der den entscheidenden Fehler begangen hat: Das ist der Hundehalter - selbst dann, wenn er seinen Hund nur der falschen Person anvertraut hat.

Carsten SchöneBerlin, den 15.08.2015



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Quellen: