Und ständig grüßt die Erlebniswelt

Irgendwie fühlt man sich, wie in einer Endlosschleife gefangen. Wann immer über eine Neuausrichtung eines Zoos berichtet wird, heißt es: Er wird zu einer Erlebniswelt umgebaut.
Nun also Halle!
Es wird allerdings keine, der derzeit angesagten kontinentalen Gliederungen geben, die immerhin den Vorteil haben, wirklich schlüssig und auch vermittelbar zu sein, so sie denn konsequent umgesetzt werden, sondern eine „Aufteilung der Anlagen und Tiere nach Lebensraummodellen“ oder „Themenwelten“.
Das sieht auf dem, in einem „Sozialen Netzwerk“ veröffentlichten Plan allerdings ein wenig holprig aus. Es fängt damit an, dass das vom Haupteingang aus gesehen letzte Gehege des Raubtierhauses künftig das Wappentier des Zoos, den Berglöwen (aka Puma) beherbergen und damit zur Themenwelt Patagonien gehören soll, der Rest des Hauses aber dem Themengebiet Regenwald gewidmet sein wird.
Zugunsten der Berglöwen wird auf richtige Löwen verzichtet. Das ist aus Artenschutzsicht völlig irrelevant: Das Zuchtprogramm für die Asiatischen Löwen läuft nicht rund, die einzigen, einigermaßen einer Unterart zuzuordnenden Afrikanischen Löwen sind weiß, da kann man sie auch gegen Pumas austauschen, von den eigentlich nur der sogenannte Floridapanther einer Bedrohung unterliegen würde, wenn er denn nicht nach neueren Erkenntnissen nur ein Nordamerikanischer Puma wäre, der, auf welchem Weg auch immer, mit südamerikanischen Pumas (ohne klare Kenntnis über die Unterart) hybridisiert wurde.
Ob der Besucher goutiert, dass man den vermeintlichen König der Tiere durch eine viel kleinere, graue Katze ersetzt, ist eher fraglich.
Die Holprigkeiten gehen am zweiten Eingang weiter, wo es einen „Erlebniseingang“ geben soll. Das ist doch aber echt der Knaller, der Zugang zu den neuen Erlebniswelten wird: Ein Erlebniseingang. Erleben soll man dort einen „Erlebnis-Aufzug“, einen „Multimedia-Fahrstuhl“, in dem man die Stadtgeschichte der Stadt Halle erleben kann! Ich dachte, es handele sich um einen Zooeingang, aber scheinbar wird das der Eingang zur Stadt Halle als solches! Den Ausgang aus der Stadt Halle gibt es dann möglicherweise künftig über den Gottesacker.
Münden wird der Erlebniseingang auf einem Hochweg über dem Elefantengehege, bei dem man sich fragt, wie mit ebenjenem das postulierte Ideal der Tier-Nähe umgesetzt werden soll, wenn man doch nirgendwo dem Tier ferner ist, als auf einem Steg, auf dem man über dem Tier hinwegläuft, es sei denn, das Tier nutzt Strukturen, die wiederum erlauben, dass man dem Tier auf Augenhöhe begegnet - wie das mit Elefanten gehen soll, erschließt sich mir nicht.
In unmittelbarer Nähe zu selbigem Erlebniseingang soll es einen Kletterplatz geben, das passt dann wieder zum Thema Bergzoo, auf das man künftig wieder stärker setzen wolle. Das ginge doch aber auch konsequenter.
Was mich aber am meisten stört, ist, dass auch hier wieder die Illusion vom Aufenthalt in fernen Gefilden hauptsächlich über Menschenwerk erzeugt werden soll: Eine Pagode im Himalaya, ein Segelboot in Patagonien - ich bin immer noch so naiv, zu glauben, dass es die Hautaufgabe von Zoos sein sollte, Naturverständnis oder gerne auch Naturerlebnis zu vermitteln.

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 01.10.2015



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Quellen: