Panda II

Unsere (oder vielleicht Ihre, denn meine ist sie eigentlich nicht) Bundeskanzlerin hat es geschafft: In Berlin redet niemand mehr über Menschen, die Schutz vor Unbill suchen, jetzt geht es nur noch um schwarzweiße Bambusfresser.
Auch wenn die Presse so tut, als seien sie morgen schon da, ist offiziell nur bestätigt worden, dass es Verhandlungen gibt. Die in diesem Zusammenhang erwähnten Worte „Geschenk“ und „Dauerleihgabe“ dürften jedoch im Hinblick darauf, dass die sogenannte Volksrepublik in letzter Zeit nur noch Leasing-Verträge anbietet, eher Enten sein.
Solche paddeln derzeit noch da rum, wo dereinst die neue Panda-Anlage vorgesehen ist. Verschwinden müssen allerdings auch ein paar Hirschgehege des traditionellen Hirschreviers des Zoos. Hirsche könnte man sagen, gibt’s im Tierpark genug, also wozu braucht man sie dann noch im Zoo?
Ganz einfach: Wenn man zwei tiergärtnerische Einrichtungen hat, dann hat man das Potential eine ganze Population einer Tierart zu managen. Die Angst davor, in Zoo und Tierpark gleiche Arten zu halten ist also Humbug. Es gibt allerdings Arten, die brauchen Platz, den der Zoo sich sparen könnte, wenn man denn täte, was ich am 15.01.2015 schrieb: Hat man Pandas im Zoo könnte man „Arten, die jetzt noch als unerlässlicher Besatz für einen Zoo gelten, aus dem innerstädtischen Zoo komplett raus(…)nehmen und so den vorhandenen Platz in beiden Einrichtungen möglichst perfekt (…) nutzen.“
Das hat man im Zoo aber nicht vor.
Ich zitiere mich noch einmal, diesmal vom 15.11.2014: „wenn, dann möchte ich Pandas nur noch in einem kompletten China-Ensemble sehen, das mindestens auch noch innovative Anlagen für Takine, Blutfasane und Goldstumpfnasenaffen bereithält.“ Und statt nun Pandas in das Erweiterungsgelände zu setzen, und gerne auch die Milus und die Moschustiere mitzunehmen, die mir im Hirschrevier als Nachbarn einfach mal nicht reichen, sehen die derzeitigen Planungen vor, das Erweiterungsgelände zu einer sandigen Wüste zu machen - für Elefanten. Elefanten wären im „größten Erlebnis-Tierpark Europas“ doch nun wirklich besser aufgehoben und wenn es sie nur dort gäbe, wäre das ein guter Grund für die Berliner, regelmäßig auch den Tierpark zu besuchen. Die Touristen in der City-West werden den Mangel an Elefanten, wegen des Vorhandenseins vermeintlich knuddelliger chinesischer Superstars nicht bemerken.
Den Planungen für die beiden Berliner Einrichtungen mangelt es mir im Westen der Stadt an Mut und im Osten der Stadt an Demut. Der Tierpark (und hier breche ich mein selbstauferlegtes Schweigen vom 15.06.2015, weil ohnehin nicht absehbar ist, dass die Berliner Politik einen auf Leipzig zu machen gedenkt) könnte mit viel einfacheren Eingriffen attraktiv gemacht werden, als dies der Ziel- und Entwicklungsplan vorsieht.
Meines Erachtens brauchen die beiden großen Berliner tiergärtnerischen Einrichtungen jeweils einen eigenen Direktor, die allerdings einem Aufsichtsrat unterstellt sind, der wiederum komplett neu zu besetzen wäre.
Mit dieser Aussage habe ich mich selbst allerdings für alle Ewigkeiten für das Amt des Tierpark-Direktors disqualifiziert - Schade eigentlich, denn der Tierpark hat so viel schlummerndes Potential, dass man mit einem bisschen Geist des Naturzoos Rheine, verbunden mit dem Esprit des Skandinavisk Dyrepark, gewürzt mit den Idealen des ollen Professors Dathe, entschlackt von den Hemmnissen des Sozialismus, befreit vom Konservativismus des Katholizismus und ernsthaft der Zukunft zugewandt, zu mehr machen könnte, als „dan pearlman“ sich das vorstellen können.

Carsten SchöneBerlin, den 01.11.2015



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