Verlade

Am Ende des Jahres 2015 schloss der Dierenpark Emmen, älteren Semestern noch unter dem Namen Noorder Dierenpark bekannt, für immer sein Tore.
Emmen soll nun aber nicht seinen Zoo verlieren, sondern einen moderneren und erfolgreicheren bekommen. Das, was da kommt nennt sich „Wildlands“ und genauso, wie uns „Die erste komplett naturnah gestaltete zoologische Erlebniswelt Europas“ gnadenlos veralbert hat, wird wohl auch in Wildlands nicht viel wild sein, außer den durch sie hindurchtobenden, amüsierwilligen Besucherscharen.
Der Noorder Dierenpark war innovativ. Großkatzengehege auf zwei Etagen, in die man gleichsam hineingehen konnte ohne, dass dadurch der Eindruck übermäßigen Voyeurismus entstanden wäre.
Eine Savannenanlage, die als Hügel gestaltet wurde, damit die verschiedenen Bewohner einander auch optisch aus dem Weg gehen konnten, garniert mit zusätzlich Barrieren, die die Kleinen vor den Großen schützten. Eine Robbenanlage, die aufgrund ihrer Größe und Form die Möglichkeit bot, zwei Harems von Ohrenrobben auf einer Anlage zu halten.
Eine Biochron genannte Kombination aus Tierhaltung (unter anderem mit beindruckenden Zitronenhaien) und Museum, dessen grundlegendes Konzept jetzt im Darwineum von Rostock seine Vervollkommnung erfahren hat.
Es gäbe durchaus noch mehr aufzuzählen, Tatsache ist, der Noorder Dierenpark war in einigen Din-gen ein Vorreiter. Irgendwann begann die Einrichtung allerdings merklich zu schwächeln, ich habe jetzt nicht recherchiert, wann die Umbenennung in Dierenpark Emmen erfolgte, unabhängig davon ließ beispielsweise die Bärenanlage einiges an guten Ideen vermissen. Als dann auf dem Erweiterungsgelände eine sehr gelungene, wiederum von viel museumspädagogischer Didaktik begleitete Pinguinanlage entstand, keimte wieder Hoffnung, die dann überschattet wurde, von der Ankündigung, man werde den alten Teil komplett aufgeben, um mit den Plänen für Wildlands einen mächtigen Dämpfer zu erhalten. Bilder der Pläne und dessen, was dort bis jetzt fertiggestellt wurde, lassen die Vermutung naheliegen, dass man in Emmen jetzt nicht mehr Vorreiter ist, sondern einfach auf einen fahrenden Zug aufspringt, der anderenorts längst schon wieder an Fahrt verliert und die Entwicklung der Zoos, weg von der Bildungs-, Forschungs- und Artenschutzeinrichtung hin zu Freizeitparks mit Tierbesatz weiter zementiert.

Ihr
Carsten SchöneBerlin, den 01.02.2016



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Quellen: