Jambo

Es gibt Menschen, die quellen über vor Tierliebe. Mit Menschen können einige von denen nicht so richtig - als Mitmenschen sind sie eher unbrauchbar.
Es gibt Gorillas, die quellen über vor Menschenliebe (einer davon hat von Menschen den Namen Jambo bekommen und starb eines natürlichen Todes), andere sind eher spröde …
Menschen, die das Leben eines Menschenaffen über das Leben eines Artgenossen stellen, sind aus Artenschutzsicht für die eigene Spezies unbrauchbar. Nun ist Mensch nicht gerade akut vom Aussterben bedroht und dennoch hat der, der das Leben eines Lebewesens einer anderen Art über das Leben eines Angehörigen der eigenen Art stellt, insbesondere wenn er den Artnamen „sapiens“ trägt, gewöhnlich gehörig einen an der Waffel.

Wer glaubt, dass Eltern ihre Kinder immer, überall und zu jedem Zeitpunkt hundertprozentig unter Kontrolle haben können, der hat im Leben entweder unglaublich viel Glück gehabt oder er hat nie Kinder großgezogen.

Diejenigen, die sich bei Pizza und Cola vor dem heimischen PC sitzend anmaßen, darüber urteilen zu können, wann es angebracht ist, einen Menschenaffen zu erschießen, der das Leben eines Menschen bedrohen könnte, würde ich gerne mal erleben, wenn sie ohne Begleitung eines Rangers im Territorium von Gorillas einen Scheinangriff von 200 kg nicht habituiertem und von Wilderern bislang verschont gebliebenem Silberrücken erleben dürfen - vermutlich scheißen sie sich (auch wenn sie „Gorillas im Nebel“ gesehen haben sollten) in die Hose.

Und alle die, die zu wissen glauben, dass eine Betäubung möglich gewesen wäre, was glauben die denn, was passiert, wenn man einem Menschenaffen, der ein Menschenkind im Arm hat und diesem noch so freundlich gesinnt ist, einen Pfeil in den Leib schießt? Was wird der Gorilla in dem Moment glauben, wer ihm da gerade wohlgesonnen war?

Tragische Schicksalsschläge sollten vor allem eine Tugend befeuern: Mit denen Mitleid zu empfinden, deren Leid wirklich groß ist.

Carsten SchöneBerlin, den 01.06.2016