Schöne Zoowelt

Reflexionen von Carsten Schöne

Unter diesem Titel schrieb ich 3 ½ Jahre lang eine Kolumne für die Zoopresseschau. Zum Schluss war ich mir nicht mehr sicher, ob das Thema Zoo1 mich noch ausreichend interessiert, um mein Hirn damit zu belasten.
Nach einer kreativen Pause, von ungefähr einem dreiviertel Jahr, in der ich nicht einen einzigen Zoo von innen gesehen habe, aber nicht umhin kam, wahrzunehmen, was die Medienwelt zum Thema Zoo so ausbreitete, weiß ich, dass ich ein Versprechen einlösen muss: In der letzten Ausgabe von  "Schöne Zoowelt" hatte ich geschrieben " ...ich werde die Zookritik auch in Zukunft nicht denen überlassen, die die Zoos am liebsten abschaffen wollen." Ich werde es nicht tun!

Ich kann Kritiker nicht leiden!

Autoren, Maler, Musiker, Bildhauer und andere Kreative sind Künstler und wer den Mut besitzt, das, was er erschaffen hat auch der Öffentlichkeit zu präsentieren, der gehört verehrt, geachtet und gelobt. Wer aber das, was der Künstler der Allgemeinheit zur Verfügung stellt, verreißt, der ist ein Kulturschänder.
Ich mag Kritiker nicht.
Wie kann sich jemand anmaßen, das, was ein Künstler seiner Seele abgerungen hat zu kritisieren. Natürlich kann er es furchtbar finden, aber warum, um alles in der Welt, muss er uns wissen lassen, warum er es doof findet!? Möge er einfach etwas Anderes lesen, anschauen, anhören. Es ist doch für jeden etwas auf dem Markt! Stattdessen sabbern sie ihren vergifteten Wortstrom über das, was der Künstler zu Papier oder auf anderes Material gebracht hat und weichen damit das Kunstwerk auf, entweihen es und beeinflussen möglicherweise auch noch andere jungfräuliche Gemüter, die ohne diesen Sprachdurchfall möglicherweise Genuss gefunden hätten, am Schaffen des Künstlers.

Sind Zoos Kunstwerke?

Sie können es sein.
Doch auch wenn sie es sind, haben sie ein Problem, sie stehen nicht für sich allein, sie existieren nur, weil Geschöpfe in ihnen leben und damit haben sie einen Rechtfertigungszwang.
Darüber hinaus gibt es einen weiteren Grund, der sie verpflichtet, ihr Tun oder Lassen zu erklären: Sie sind öffentlich! Sie richten sich direkt an den Mitmenschen und der muss nachvollziehbar erläutert bekommen, was für eine Institution der Zoo ist - auch dann, wenn er, als Besucher, vielleicht gar nicht weiß, dass er das möchte.
Die klassischen Schlagworte, die bemüht werden, wenn es um die Rechfertigung der Existenz von Zoos geht lauten: Bildung, Naturschutz, Artenschutz, Forschung und Erholung. Diese fünf Worte können tatsächlich ausreichen: 

Wir brauchen Zoos!

Aber, Zoos müssen, anders als Künstler, dafür einstehen, dass sie ihre Ziele wirklich erreichen und deshalb werde ich weiterhin sehr genau hinschauen, was in den Zoos läuft, wie sie sich entwickeln und ob sie auf einem erkennbaren Weg der Zielerreichung sind. Ich werde auf dieser Homepage zweimal monatlich den Rechtfertigungszwang, den die Zoos immanent besitzen, einfordern. Vergessen Sie, liebe Leser dabei bitte nicht, und hier wiederhole ich mich: Ich halte Zoos für notwendige Einrichtungen! Ob sie auch gute Einrichtungen sind, das gilt es immer wieder aufs Neue zu überprüfen.

Wir brauchen Zookritik!

Ich will diesen Job nicht Journalisten und hauptamtlichen Tierschützern2 überlassen. Zoos, die sich Kritik stellen und sich entschließen, Betriebsblindheit nicht zuzulassen, haben den ersten Rechtfertigungsschritt bereits erfolgreich gemacht und dass Zoos dazu in der Lage sein können, habe ich in der Vergangenheit bereits erfahren dürfen!

Ich freue mich auf ein gedeihliches Zusammenarbeiten, mit wem auch immer, pro Zoo!

Ihr
Carsten Schöne

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1Im Folgenden steht das Wort Zoo stellvertretend für jede öffentliche Tierhaltung, sei es ein Tierpark, ein Tiergarten, ein Wildpark, ein Vogelpark, ein Aquarium oder, oder, oder...
2Wobei mir ohnehin nicht klar ist, warum tierhaltende Institutionen und Privatleute das Thema Tierschutz nicht endlich an sich reißen. Wer soll denn bitte schön mehr über Tierschutz wissen, als Tierhalter?